Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172470
134 
Johann van Eyck. 
Hubert und 
bekümmerten, war noch nicht gekommen. So war es möglich, dass 
das Werk schlechtweg „des Johannes Tafel" genannt wurde und dass 
Huberfs Name mehr und mehr in Vergessenheit gerieth 1). 
Die neuere Kritik bildet den scharfen Gegensatz gegen die frühere- 
Tradition; wenn diese den einen beider mitwirkenden Brüder ganz 
fortliess, will diese genau unterscheiden, welche Theile dem einen, 
welche dem andern zuzuschreiben sein möchten. Zahlreiche Kunst- 
kenner haben sich daran versucht, zu bestimmen, welche Tafeln, ja 
welche Gegenstände auf derselben Tafel von der Hand des einen oder 
des andern der Brüder herstammeng). Ihre Urtheile sind sehr ab- 
weichend von einander und keinesweges überzeugend. Von Hubertäs 
Hand besitzen wir ausser diesem Altar auch nicht einen Pinselstrich, 
soviel wir wissen; Waagen hat daher vorgeschlagen, sich auf eine 
Vergleichung der einzelnen Theile des Bildes mit den Werken des 
Johannes zu beschränken und das, was von der Weise des Johannes 
abweiche, dem Hubert zuzuschreiben. Allein auch die Behandlungs- 
weise desselben Malers ändert sich oft mit seinen Werken, und unter 
den ziemlich zahlreich erhaltenen Bildern des Johannes ist keines, 
das diesem in den Dimensionen und im Gegenstande an die Seite- 
zu setzen wäre. An den drei grossen heiligen Gestalten in der oberen 
Reihe des Altars sind in der Zeichnung und Färbung, besonders in 
der Gewandung, Eigenthümlichkeiten, die auf anderen Bildern des Jo- 
hannes nicht vorkommen. Bei ihnen möchte es daher am Ersten 
zulässig sein, eine von Hubert allein oder doch. überwiegend aus- 
geführte Arbeit zu verinuthen. Aber die Verschiedenheit ist keines- 
weges zwingend, und es ist doch auch möglich, dass Johann sich hier, 
wo er Gestalten von einer Grösse und einer Feierlichkeit des Aus- 
druckes zu geben hatte, wie sie auf den Bildern von seiner eigenen 
Erfindung nicht vorkommen, sich in einer strengeren Behandlung 
1) Ein an sich gleichgültiger und unbedeutender Umstand mag dazu bei- 
getragen haben. Das Altarwerk wurde, wie sich aus einem von Ruelens a. a. O. 
p. XLlX. angeführten Verse des Marc van Vaernewyck ergiebt: Die Tafel Sante 
Jans genannt, d. h. die in der Kirche S. Jans aufgestellte Tafel, die vorzüglichste, 
berühmteste Tafel in dieser Kirche, was dann leicht missverstanden und (mit Fort- 
lassung des Titels der Heiligkeit) auf den Maler gedeutet werden konnte, wie dies 
bei Albrecht Dürer augenscheinlich der Fall ist. 
2) L. de Bast, a. a. O. p. 49-63. Waagen im Kunstblatt 1824, S. 103, 104 
und besonders 1847 S. 161. Passavant, Kunstreise S. 374 ff. E. Förster, Ge- 
schichte der deutschen Kunst II. S. 58 ff. Crowe und Cavalcaselle, Anciens peiutreg 
p. 73 E, in der englischen Ausgabe p. 75-76 und in der deutschen Bearbeitung 
der 2. engl. Auü. von A. Springer S. 61 u. 62. Endlich Hotho, Malerschule II, 
S. 90 ff. und Geschichte der christl. Malerei S. 455 ff.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.