Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172469
Name früh vergessen. 
Huberfs 
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Reliquien auf den Kirchhof gebracht, wo sie Marc van Vaerneivyck, 
wie er versichert, noch sahl). Dass die italienischen Schriftsteller, 
denen wir, wie oben angeführt, die früheste Nachricht über die Ey'ck'sche 
Schule verdanken, vonHubert nichts wussten, ist nicht so auffallend, 
wie es auf den ersten Blick scheinen könnte. Ihre Kenntniss knüpfte 
sich an die nach Italien gelangten niederländischen Bilder und an die 
Auskunft, welche die Uebersender derselben über ihre Urheber ertheil- 
ten. Unter diesen befand sich Hubert aber nicht; er war bereits 
langst verstorben und hatte, wie es scheint, keine transportabeln Kunst- 
werke hinterlassen, welche in den Handel kamen. Johannes dagegen 
War der Urheber; solcher Gemälde und überhaupt der bedeutendste, 
am meisten genannte Künstler der Schule. Sehr viel auffallender ist 
es dann freilich, dass Hubert's Name auch in Belgien so völlig in 
Vergessenheit gerathen konnte. Indessen müssen wir uns erinnern, 
dass der Gedanke, die Kunst als einen Gegenstand schriftlicher Auf- 
Zeichnung zu behandeln, hier noch völlig unbekannt war, dass es daher 
nur mündliche Tradition gab, welche sich naturgemass an Anschauungen 
anschloss. Diese aber fehlten für Hubert, es bestand wohl kaum ein 
anderes namhaftes Werk, das seinen Namen trug, als eben der Genter 
Altar, und bei diesem theilte er den Ruhm mit seinem Bruder Johann, 
der ihn vierzehn Jahre überlebte und während dieser Zeit durch die 
Zahlreichen hochgepriesenen, in allen Ländern gesuchten Gemälde, die 
aus seiner Werkstatt hervorgingen und durch die Gunst, welche ihm 
sein Herr, der Herzog, so anhaltend bewies, die allgemeine Aufmerk- 
samkeit vielfach in Anspruch nahm. Die mündliche Ueberlieferung 
vereinfacht gern; die Geschichte des Genter Altars, die Unterschei- 
dung zwischen einem, der das Bild angefangen und einem, der es 
vollendet hatte, war ihr unbequem. Zog es doch selbst van Mander 
vor, daraus eine totale Gemeinschaft, ein Compagniegeschaft zumachen. 
Dazu kam, dass bei Hubert's Tode auch diese Tafel nur den Wenigen 
bekannt war, welche seine Werkstatt betreten hatten und unfertige 
Gemälde zu würdigen verstanden, und dass sie erst sechs Jahre später 
von Johannes vollendet und zu einer Zeit, wo dessen Ruhm auf seiner 
Höhe stand, der Oeifentlichkeit übergeben wurden. Johannes selbst 
und J odocus Vydts hatten das ihrige hgethan, um das Verdienst Hubertäs 
zu ehren und gegen Vergessenheit zu schützen. Aber das Volk liest 
keine Inschriften, und die Zeit, wo die Gelehrten sich um die Kunst 
1) Bei Ruelens a. a. O. p. XLVIII. Nach Marc van Vaernewyck in seiner 
Historie van Belgis war Hubert in der Familiengrufß der Häuser Vydts und Burluut 
beigesetzt.   

        

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