Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172441
Die Inschrift des 
Altars. 
131 
Schrift: Les trois freres van Eyck, die Bemerkung, dass diese Deutung 
dem Johannes nicht sowohl eine bescheidene, als eine anmassende 
Aeusserung unterschiebe, indem er, wenn auch nach jenem Unüber- 
troffenen der Zweite, jedenfalls unter den Ueberlebenden der Erste 
sein würde. Man hatte schon früher bemerkt, dass auch eine andere 
Construction denkbar sei, indem man das Wort arte auf perfecit, das 
Wort secundus auf Frater beziehen könne, wonach dann der Sinn sein 
würde: Dies Werk vollendete durch seine Kunst Johannes, der 
zweite Bruder des Hubert. Diese Auslegung war Herrn Carton sehr 
gelegen, weil er, wie schon der Titel seiner Schrift ergiebt, einen 
dritten Bruder in die Kunstgeschichte einführen wollte, den Lambert 
van Eyck, den allerdings zwei urkundliche Stellen (vgl. dieselben unter 
Anderm bei Crowe und Cavalcaselle, Anciens peintres I. p. 65 und 
67 und bei Waagen im Kunstbl. 1849 S. 59) als Bruder Johanns 
van Eyck, aber keineswegs als Maler nennen. Er sah daher in dieser 
Bezeichnung des Johannes als des zweiten Bruders eine Andeutung, 
dass noch ein dritter und zwar ebenfalls als Maler und als ein Maler 
von Rang, an den man bei dieser Gelegenheit denken könne, existire. 
Diese Auslegung hat die Zustimmung von Waagen (im Kunstbl. a. 
a. O.) und auch neuerlich von Ruelens (a. a. O. p. XLIV) gefunden; ich 
kann indessen nicht umhin, mit Hotho a. a. O. II. 109 der ersten den 
Vorzug zu geben. Wenn auch Lambert wirklich (wiewohl jeder Beweis 
dafür fehlt) Maler gewesen wäre, würde es kein Interesse gehabt 
haben, hier auf seine Existenz hinzuweisen. Nun könnte man zwar 
Lambert ganz aus dem Spiele lassen und die Worte secundus frater 
durch: der zweite Bruder, d. h. der jüngere von Beiden, übersetzen, 
so dass dann (larin eine Unterordnung, aber nur im Alter, nicht der 
Kunst nach, enthalten wäre. Allein der ganze Zusammenhang der 
Inschrift spricht für jene erste Auslegung; Sie verliert, wenn man 
diese aufgiebt, ihren geistigen Rhythmus. Das arte secundus ist ein 
nothwendiges Mittelglied zwischen dem: major quo nemo repertus und 
dem Judoci Vyd prece fretus. Darin eine Anmassung des Johannes 
und eine Ueberhebung über seine Zeitgenossen finden zu wollen, 
ist höchst gesucht; Niemand wird daran denken. Dagegen erlangt 
die Versicherung, dass er nur der Bitte des Bestellers vertraut habe, 
nur durch sie ermuthigt sei, erst dadurch einen Sinn, dass er sich 
als den Geringeren darstellt, für den dann allerdings die Aufgabe, 
das Werk des Grösseren zu vollenden, als eine Last (pondus) und als 
ein Wagniss erschien, zu welchem er nur durch die Bitte des Bestel- 
lers ermuthigt werden konnte. 
Die Inschrift ergiebt also zunächst, (lass der Besteller nicht, wie 
9,
        

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