Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172339
120 
Johann van Eyck. 
Ilubert und 
nur die vier mittleren Tafeln sind noch in Gent in der jetzt unter 
dem Titel S. Bavo zur Kathedrale erhobenen Kirche, Welche damals 
Stiftskirche S. Johann hiess. Zwei Tafeln (Adam und Eva) befinden 
sich im Museum zu Brüssel, sechs Flügel, alle auf beiden Seiten be- 
malt, bilden ein kostbares Besitzthum des Museums zu Berlin. Es 
_ist indessen nicht schwer, sich den Zusammenhang des Ganzen zu 
vergegenwärtigen. Es bestand aus dreizehn 'l'afeln, von denen sich 
bei voller festtäglicher Oelfnung in der oberen Reihe sieben, in der 
mittleren (vermöge der grösseren Breite des Hauptbildes) nur fünf, 
endlich eine als Untersatz unter dem Mittelbilde zeigten. Nur diese 
ist verloren gegangenl). Der Gegenstand ist die "Anbetung des 
Lammes" nach der Apokalypse, aber mit freier künstlerischer Auffas- 
sung und mit Vermeidung der undarstellbaren Visionen des Apostels. 
Im Wesentlichen ist Kapitel VII. Vers 9 zum Grunde gelegt: "Darnach 
sahe ich, und siehe eine grosse Schaar, welche Niemand zählen konnte, 
aus allen Heiden und Völkern und Sprachen vor dem Stuhle stehend 
und vor dem Lamm, augethan mit weissen Kleidern und Palmen in 
den Händen, schrieen mit grosser Stimme und sprachen: Heil sei dem, 
der auf dem Stühle sitzt unserm Gott und dem Lamm. Und alle 
Engel standen um den Stuhl" u. s. w. Diese Vision hat der Meister 
nun aber nach künstlerisch architektonischen Itücksichten in zwei 
Reihen dargestellt, von denen die obere die Herrlichkeit des Him- 
mels, die untere das Lamm und die grossen Schaaren der Völker 
zeigt. Oben (Fig. 1) sehen wir also zunächst Gott Vater, lebensgross 
im leuchtenden rothen Gewande, die päpstliche Tiara auf dem Haupte, 
in der Linken das Scepter, mit der Rechten segnend, das Antlitz in 
ruhiger Würde geradeaus blickend, mit vollem Barte, aber mit frischer 
Farbe 'und Kraft. Neben ihm auf besonderen, etwas niedrigeren, 
oben abgerundeten Tafeln, zu seiner Rechten Maria, zur Linken Jo- 
hannes der Täufer, beide ebenfalls sitzend und zu Gott gewendet, 
Maria mit edelsten Zügenvund mildestem Ausdrucke, im weiten blauen 
Mantel, mit geöffnetem Buche, der Täufer mit wallendem Bart und 
Ilaulathaar, über dem zottigen Rocke von reichem Mantel umhüllt, 
aus dem auf seinen Knieen liegenden Buche mit erhobener Hand 
lehrend. Alle drei Gestalten thronen im himmlischen Glanze mit 
Edelsteinen und Gcldschmuck an Haupt, Brust und Gewändern, hinter 
ihnen prachtvolle Teppicheg), über ihnen Goldgrund, nischenartig 
1) Und zwar wie van lilander und Vaernewyck (Historie van Belgis) versichern, 
weil sie mit Wasserfarbe gemalt und bei einer Reinigung des Bildes durch un- 
gesßhivktes Waschen zerstört war. Passavant, Kunstreise S. 378. 
9) Die drei Teppiche sind verschiedener Farbe und in dem grünen Teppiche
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.