Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172183
Quellen. 
Aeltere 
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wissen Gegenden Italiens sehr gross war, bewirkte dann aber auch, 
dass Werke der spätern grossen Meister dahin gelangten, welche die 
Namen derselben unter den Künstlern und Kunstfreunden berühmt 
machten 1). Daher konnte denn auch Vasari, dem damals noch keine 
bessere Quelle zu Gebote stand, in der ersten, im Jahre 1550 publi- 
cirten Ausgabe seines grossen Werkes, ausser der Geschichte der 
Erfindung der Oelmalerei durch Johannes, die er im Leben des Anto- 
nello von Messina erzählt, in dem der Oelmalerei gewidmeten Kapitel 
der Einleitung eine Liste von sieben oder acht zum Theil sehr ver- 
stümmelten Namen flandrischer Maler mittheilen. Das war nun zwar 
sehr wenig, aber immerhin ein Anfang kunstgeschichtlicher Behandlung 
und jedenfalls mehr, als man in den Niederlanden selbst um diese 
Zeit besass. Auch hier war zwar die Liebe zur Kunst und das An- 
sehen der Künstler im Laufe des fünfzehnten Jahrhunderts bedeutend 
gestiegen, aber das einzige uns bekannte und vor Vasari geschriebene 
Werk, welches den Zweck verräth, das Gedächtniss der berühmten 
Meister festzuhalten, ist nur ein phantastisches und schwülstiges Ge- 
dicht in französischer Sprache: La couronne margaritique des Jean 
Lemaire. Der Verfasser, in der Gegend von Valenciennes geboren, 
schrieb es in den Jahren 1508-1511, während er im Dienste der 
Erzherzogin Margarethe, Statthalterin der Niederlande, stand. Er 
üngirt, dass eine Krone für seine Gebieterin gefertigt werde und der 
Goldschmied bei dieser Arbeit von anderen Künstlern Besuch und 
Rath empfange, was ihm denn Gelegenheit giebt, die bedeutendsten, 
bei den damaligen Kunstfreunden beliebtesten Maler und Goldschmiede 
namentlich aufzuführen und ihren verschiedenen Verdiensten gemäss 
zu charakterisiren. Er beschränkt sich dabei keinesweges auf damals 
noch Lebende, auch nicht auf die ilandrische Schule, sondern nennt 
ausser den Niederländern auch Franzosen und Deutsche, ja sogar 
den Italiener Donatello, aber er geht nicht über Johann van Eyck 
hinaus, den er „le roy des peintres" nennt, und hat augenscheinlich 
das Gefühl, dass sie sämmtlich einer geschlossenen, jetzt geltenden 
Schule angehören, die er sogar anscheinend der antiken Kunst als 
gleichberechtigt an die Seite stellt2). Dies hat für uns ein" gewisses 
1) Den Beweis geben die zahlreichen üandrischen Kunstwerke, welche der 
Anonymus des Morelli a. a. O. in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im 
Venetianischen fand und mit dem Namen der Urheber bezeichnete. 
1') Nachdem er eine Zahl von neueren Künstlern auftreten lassen, sagt er aus- 
drücklich, dass er sie so sehr ehre: 
Que les anciens jadis par longs sermons 
Firent Parrhase et maints autres divers.
        

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