Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172033
90 
der Alpen. 
einer Neugestaltung der Kunst bei den Völkern nördlich 
Anfäßge 
und von der bisherigen Praxis abweichende Studien, um anhaltende 
Uebung und um Ablegung bisheriger Gewohnheiten und Vorurtheile. 
Der Schüler, der diese Kunst erlangen wollte, musste von vorn an- 
fangen, mnsste erst sehen lernen, wie seine Meister. Da ist es denn 
sehr begreiflich, dass sich wenige Schüler fanden, bei denen die 
Eycks günstige Resultate erwarten konnten, dass diese Schüler lange 
Zeit brauchten, um selbständig zu werden, dass also in der Früh- 
zeit, wo Antonello jene Bilder sah, sein Wunsch, diese Technik 
zu erlernen, nicht an anderer Stelle als in der Werkstatt der Er- 
iinder erfüllt werden konnte, und dass er nach seiner Rückkehr in 
Italien wiederum für seine Landsleute die einzige Quelle dieser 
Kunstweise wurde. Die Kunst, die noch vor Kurzem auf so breiter 
Basis geruht hatte, war also mit einem Male höchst persönlich 
geworden. 
Dies hatte denn auch eine bestimmte weitere Folge auf die all- 
gemeine Gestaltung der Kunst. So lange sie überwiegend kirchlich 
und architektonisch war, standen die meisten Völker und Provinzen 
in ihren Leistungen einander nahe. Zuweilen hatten wohl einzelne 
Gegenden einen Vorsprung gehabt, wie beispielsweise das nördliche 
Frankreich bei der Ausbildung des gothischen Baustyls; aber dann 
verbreitete sich die hier ausgebildete Form rasch über die anderen 
Länder und wurde hier mit mehr oder weniger localen Aenderungen 
einheimisch. Noch die Malerei des vierzehnten Jahrhunderts, wenn 
auch an einigen Orten mit besserem Erfolge geübt, war im Ganzen 
über das gesammte Abendland verbreitet; selbst Italien, das stets 
etwas abweichende Wege ging, stand hier den anderen Ländern nicht 
allzufern. 
In der neueren Kunst werden diese Unterschiede viel wichtiger; 
die Kunst gedeiht nicht mehr überall. Sie wird gewissermassen 
Monopol einiger Lander, während die anderen diese bevorzugten 
Leistungen nachahmen oder gar ihren Kunstbedarf von jenenbe- 
ziehen. Vom sechszehnten Jahrhundert an hatte bekanntlich Italien 
diese hervorragende Stellung, im fünfzehnten sind es die Niederlande 
und zwar vorzugsweise die flandrischen Gegenden, welche wenigstens 
in der Malerei den Principat erlangen und auf alle Länder, selbst 
auf das sonst so selbstständig fortschreitende Italien einen bedeuten- 
den, für immer entscheidenden Einfluss ausüben. 
Die Frage drängt sich auf, welchem Umstande Flandern diesen 
Vorzug verdankt. Zunächst freilich dem, dass die Brüder van Eyck 
hier lebten, hier jene neue Methode ausbildeten, welche der Malerei 
eine bisher unbekannte Wirkung verlieh. Allein gewiss war dies
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.