Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172018
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Anfänge einer Neugestaltung der 
der Alpen. 
nördlich 
bei den Völkern 
Kunst 
Geiste zu durchdringen und zu reproduciren. Ihre Thätigkeit be- 
gann sogleich, als das Mittelalter sein Princip vollständig durchgeführt 
hatte und an den Schranken, welche dasselbe ihm stellte, angelangt 
war. Statt es hier dem Absterben zu überlassen, trat das Princip 
der neuen Zeit, die Reaction gegen die Einseitigkeit des Mittelalters 
thatkräftig ein und überschritt diese Grenze. Dies geschah zunächst 
nur da, wo das Mittelalter stehen geblieben war, bei seinen letzten 
Aufgaben, an denen sich die Unzulänglichkeit der bisherigen Rich- 
tung ergeben hatte, wurde dann aber, sobald sich die Disharmonie 
des hierdurch gebildeten Neuen mit dem Alten fühlbar machte, auf 
den benachbarten Gebieten und so immer weiter fortgesetzt. Es 
war gewissermassen eine Revision des Bestehenden, eine retrospective 
Arbeit, welche mit dem Neuesten begann und zu Aelterem fort- 
schritt. Auf dem Kunstgebiete bestand daher der Anfang der neuen 
Zeit in der Regeneration der Malerei, welche dann zunächst die 
Sculptur beeinflusste und endlich auch die Architektur nöthigte, ihr 
nicht mehr haltbares System aufzugeben und neue Formen an- 
zunehmen. 
Die Malerei war nicht bloss die beginnende, sondern auch die 
vorherrschende Kunst. Das Mittelalter war überwiegend architek- 
tonisch gewesen, es hatte das Allgemeine, das Logische betont; die 
neuere Zeit war und blieb überwiegend malerisch. Sie stand und 
steht unter der Herrschaft des individuellen Geistes, der nur im 
Malerischen vollen Ausdruck gewinnt. Nur in der Malerei erreichte 
daher diese Zeit ihre höchsten Erfolge, während die Sculptur und 
die Baukunst, mehr als ihrer Eigenthümlichkeit zusagte, zum Male- 
rischen hinneigten. 
Wie die Stellung der Künste unter sich, wurde auch die der 
Kunst zum Volksleben eine andere. Bisher war das Leben auf allen 
seinen Entwickelungsstufen der entsprechenden Kunst vorangegangen. 
Der ideale Gedanke des Volkes begann stets mit der Ausbildung der 
religiösen, staatlichen, sittlichen Verhältnisse und wandte sich erst 
später, wenn er bei dieser Arbeit sich mehr entfaltet und geklärt 
und zugleich den Widerstand der Wirklichkeit erfahren hatte, der 
Kunst zu. Jetzt dagegen war jenes Nothwendige bereits vorhanden; 
es handelte sich nicht um neue Begründung des Lebens und selbst 
der Kunst, sondern nur um eine Berichtigung und Erweiterung des 
Systems, das in beiden herrschte. Das Bedürfniss einer solchen 
Aenderung machte sich auf beiden Gebieten gleichzeitig und mit 
verwandten Motiven geltend, aber mit verschiedenem Erfolge. Das 
Leben war zähe und widerstrebend, persönliche Leidenschaft, sowohl
        

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