Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171985
durch die Brüder van Eyck ausgebildete Anwendung der Oelmalerei. 
Neue, 
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Fontainen, in denen dcr Sonnenstrahl spielt, spiegelnde Gegenstände, 
blanke Panzer, Messinggeräthe, sind mit Vorliebe und Meisterschaft 
ausgeführt. Auf mehreren ihrer Bilder hatten sie sogar zu grosser 
Bewunderung ihrer Zeitgenossen Spiegel angebracht, welche dem Be- 
Schauer auch den Rücken der ihm zugewendeten Gestalten zeigten. 
Der Spiegel ist gewissermassen ein Symbol ihres Bestrebens, die 
Gegenstände in voller Wirklichkeit mit allem Detail darzustellen. 
Nicht nur die Bäume mit ihren Blättern und Früchten, sondern auch 
Gebäude, Möbel, Hausrath, Kleidungsstücke, Waffen und vor allem 
die Menschen sind mit höchster Sorgfalt und Treue wiedergegeben, 
so wie sie sie gesehen hatten. Statt der in Gesichtszügen, Tracht 
und Haltung conventionellen Gestalten des vierzehnten Jahrhunderts 
geben sie durchweg wirkliche individuelle Menschen in voller Lebens- 
Wahrheit und in portraitartiger Auffassung. Selbst die heiligen Per- 
sonen machen davon keine Ausnahme, obgleich sie einen schwachen 
Anklang an die hergebrachten, typischen Züge und antike Tracht 
behalten. Auch der Heiligenschein ist völlig verschwunden oder 
durch eine lichte Ausstrahlung ersetzt, und dieiHerrlichkeit der 
Himmelskönigin wird nur durch den Luxus der Tracht und des 
Schmuckes angedeutet, dessen Vorbild die Fürsten der damaligen 
Zeit gaben. Der abstrakte Idealismus des Mittelalters ist also auf- 
gegeben und der Gedanke, denselben durch ein Schönheitsideal, d. h. 
durch natürliche, aber in höchster Vollkommenheit gedachte Formen 
.zu ersetzen, ist ihnen noch fremd; sie nehmen ihre Vorbilder, wie 
sie sie finden, ohne ängstliche Auswahl und malen sie mit einer 
Wahrheitsliebe, welche auch die Zufälligkeiten und Mangel ihrer 
Körperbildung nicht verhehlt. Sie sind also in diesem Sinne ent- 
schiedene Realisten, aber sie sind zugleich durchdrungen von der 
Heiligkeit der dargestellten Personen und Hergänge und wissen diesem 
Gefühle gerade durch diese Darstellungsweise den kräftigsten Aus- 
druck zu geben. Schon die Gewissenhaftigkeit der Ausführung und 
die Naivetät, mit der sie ihren Realismus vortragen, giebt davon 
Zeugniss, dass sie denselben nicht als etwas Gleichgültiges, bloss 
Technisches betrachten, sondern dass ihnen dies Verstandniss der 
Natur eine neue Offenbarung, ein Geschenk ist, das sie zum Schmucke 
des Heiligen zu verwenden haben. Sehr augenscheinlich ist der 
Vortheil, den ihnen die portraitartige Auffassung der Figuren ge- 
pwrährt; denn gerade dadurch vermögen sie den Ausdruck der Demuth 
und so auch den der Liebeswärme und Andacht, der Massigung und 
Milde in lebendigster Weise hervorzubringen, der dann, weil sich mit 
verschiedenen Modificationen wiederholend, dem ganzen Gemälde den
        

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