Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171975
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Anfänge einer Neugestaltung der Kunst bei den Völkern nördlich der Alpen. 
schon hoch bedeutende technische Erfindung erhielt dann aber da- 
durch einen sehr viel höheren Werth, dass die Erfinder sich des- 
künstlerischen Zieles, zu dem sie führen konnte, vollkommen bewusst 
waren und es mit der höchsten Energie und mit bewundernswerther 
Genialität erstrebten. War es durch diese neue Methode möglich, 
der Natur mehr zu genügen, die Gesammterscheinung in ihrem 
organischen Zusammenhange darzustellen, so gehörte doch auch ein 
tieferes Verstitndniss der natürlichen Form und der Lichtwirkungen 
dazu, als die bisherige Kunst besass. Die Brüder van Eyck wussten 
sich, während sie jene technische Erfindung ausbildeten, auch dies 
Verständniss zu erwerben. Dass sie dabei theoretische Hülfsmittel 
oder Lehrmeister gehabt, Anatomie und Perspective wissenschaftlich 
betrieben hatten, ist nicht anzunehmen; solche Studien verbergen 
sich nicht leicht, sie würden sich in den Werken durch eine gewisse 
Einseitigkeit bemerkbar machen, wie dies bei den italienischen Malern 
dieses Jahrhunderts so oft der Fall ist. Aber sie haben viel nach 
der Natur gezeichnet und gemalt, selbst nach dem nackten Modell. 
Und ebenso wie mit der menschlichen Gestalt verfahren sie mit allen 
Dingen. Die conventionelle Auflassung der Pflanzen, mit der sich 
das Mittelalter begnügte, liegt weit hinter ihnen; sie lieben die 
Vegetation kräftig und anmuthig darzustellen, sie üben sich, die 
Verschiedenheit der Baumarten kenntlich zu machen. Der Gold- 
grund verschwindet fast ganz, statt dessen bilden sorgfältig aus- 
geführte landschaftliche Hintergründe mit freiem blauem Himmel 
oder Innenräumen von Gemächern oder Kirchen die Regel. Mit der 
Linienperspective sind sie ziemlich gut bekannt; sie wissen sie so- 
wohl bei der Construction jener Innenräume als bei städtischen 
Strassen und landschaftlichen Fernsichten richtig und mit Vorliebe 
anzuwenden. Aber sie ist immer nur ein untergeordnetes Mittel für 
den Zweck der ganzen Darstellung. Von der Luftperspective wissen 
sie weniger, die Farben des Himmels sind zwar naturgemäss an- 
geordnet und fernen Bergreihen geben sie den lichten bläulichen 
Ton. Aber geringere Entfernungen beachten sie nicht und geben 
den innerhalb derselben befindlichen Gegenständen dieselbe Kraft der 
Farbe. Dagegen sind andere optische Phänomene ihnen sehr an- 
ziehend; Glaskugeln mit durchscheinendem Lichte, klare Quellen und 
vortreffliche Schrift von Sir Charles Eastlake, Materials for a history of oil paint- 
ing, London 1847, geben dies Resultat, welches durch den Aufsatz: Ueber Jan van 
Eycläs Geheimniss der Oelmalerei, von Ernst Harzen im deutschen Klmstblatt 
1851 S. 147 mit vorzüglicher Klarheit ausgesprochen ist.
        

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