Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171963
Oelmalerei. 
Die Erfindung der 
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Das Hauptverdienst dieser Erfindung bestand nicht in der Mischung, 
sondern in dem Gebrauche der Farben, darin, dass sie eine neue 
Methode, man kann sagen, eine neue Malerei schufen, welche von 
jener materiellen Schwere der bisherigen Technik frei war und den 
Bildern eine Lebensfülle und Naturwahrheit gab, die man bisher 
kaum geahnt hatte. Der Grundgedanke dieser neuen Methode war 
ein sehr einfacher, er war wiederum wie das Ei des Columbus. Aber 
er lief der bisherigen Praxis ganz entgegen, und die geistige Freiheit, 
sich von den Traditionen der Jahrhunderte, von den Vorurtheilen 
der Zeit- und Kunstgenossen loszusagen, ist Wenigen gegeben. Hatte 
man es bisher für eine der Bedingungen der höheren Malerei ge- 
halten, schnell trocknende Farben zu haben, um die sorgsam berei- 
teten feinen Nüancen der Töne ohne Gefahr trüber Mischung neben 
einander stellen zu können, so erkannten die Eycks, dass gerade in 
diesem ausserlichen Nebeneinanderstellen die Ursache jener mate- 
riellen Schwere der Gestalten lag, und dass man, um eine weichere, 
der Natur entsprechende Verschmelzung der Töne zu erhalten, eine 
Farbe haben müsse, welche nicht leicht trockne, sondern sich so 
lange im flüssigen Zustande erhalte, dass der Maler die feinen 
Nüancen im Bilde selbst hervorbringen und zu einem harmonischen 
Ganzen verschmelzen könne. Ihre Erfindung bestand daher eigent- 
lich darin, dass man Nass in Nass malen könne. Daraus folgte 
dann, dass gerade die Eigenschaft der Oelfarbe, welche bisher ihre 
Anwendung erschwert und verhindert hatte, sie vor allen Farben 
empfahl, während sie ausserdem den Vorzug einer grösseren Wärme 
und des Glanzes, den man bisher durch den hinzugefügten Firniss 
zu erreichen gesucht, durch sich selbst gewährtel); diese an sich 
1) Vasari selbst hatte ein richtigeres Verständniss der Erfindung, während die 
Spiiteren durchweg nur an die Bereitung der Farbe mit Oel dachten. Lessing 
(Vom Alter der Oelmalerei aus dem Theophilus Presbyter, 1774) entdeckte zuerst, 
dass der Gebrauch der Oelfarbe sehr viel älter sei, wobei er jedoch mit richtigem 
Takte bemerkte, dass dadurch das Verdienst der Gebrüder van Eyck nicht ge- 
schmälert werde. Als dann aber der Traktat des Cennini bekannt wurde, der aus- 
führliche, aus dem vierzehnten Jahrhundert stammende Vorschriften über die 
Malerei in Oel enthielt, und zahlreiche Rechnungsnotizen aus dem Mittelalter die 
Verwendung grosser Quantitäten von Oel zu Malereien nachwiesen, erhoben sich 
viele Stimmen, welche die Erfindung van Eycläs, weil sie dieselbe eben nur auf 
die chemische Mischung bezogen, bezweifelten, oder geradezu (wie Tätmbroni in 
seiner Vorrede zum Trattato della pittura des Cennini) für eine Fabel erklärten. 
Diese Oontroverse ist jetzt als erledigt, und die im Text vorgetragene Sachlage 
als erwiesen zu betrachten. Schon der Commentar der Herausgeber des Vasari 
zum Leben des Antonello von Messina (V01. IV. S. 83 ii), dann besonders die 
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