Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171957
82 
Anfänge 
einer Neugestaltung der Kunst bei den Völkexn nördlich der Alpen. 
Wo ein berechtigtes Bedürfniss von ganzen Völkern oder Ständen 
empfunden wird, wo demgemäss Viele nach der Befriedigung desselben 
streben, pflegt die Erfindung nicht auszubleiben. Sie entsteht dann 
oft stufenweise durch Mehrere, so, dass der Eine das wirksame 
Mittel zwar entdeckt, aber noch nicht vollständig ausnutzt, während 
Andere dann leicht den richtigen Gebrauch, dessen es fähig ist, er- 
kennen. Sie kann aber auch durch besondere Gunst der Umstände 
oder durch die Weisheit und Mässigung des Erfinders schon bei die- 
sem bis zur vollen Reife gedeihen, so dass sie unmittelbar aus seinem 
Haupte wie die gerüstete Minerva in die erstaunte Welt tritt und 
für lange Zeit keiner bedeutenden Verbesserung bedarf. 
S0 geschah es in diesem Falle. Die grosse Eründung, welche 
einen neuen Aufschwung der Malerei herbeiführte, wurde an derselben 
Stelle, in der Werkstätte ihrer Urheber gleich so weit gefördert, dass 
sie keiner erheblichen Ergänzung bedurfte und von da aus ihren 
Weg in alle Länder nahm. Alle Berichterstatter sind darüber ein- 
verstanden, diese Erfindung der Provinz Flandern zuzuschreiben, und 
unsere Forschungen bestätigen dies vollständig, nur dass wir Johann 
van Eyck allein zuschreiben, was wahrscheinlich von seinem älteren 
und viel früher verstorbenen Bruder Hubert oder doch von beiden 
Brüdern gemeinschaftlich ausging. Die Neuerung bestand keineswegs 
allein in einer Verbesserung der Farben. Wenn sie vielleicht den Ge- 
brauch der, wie gesagt, stets bekannt gewesenen Oelfarbe durch gewisse 
chemische Mittel erleic hterte, was nicht unwahrscheinlich, aber auch nicht 
mit Bestimmtheit nachzuweisen ist, so war dies nur eine Nebensachel). 
1) Facius in seinem 1456 geschriebenen Buche „De viris illustribus" sagt bei 
dem Rubine des Johannes, dass er viele Erfindungen über die Eigenthümlichkeiten 
der Farben gemacht haben solle (putaturque  multa de colorum proprietatibus 
invenisse) und diese Angabe, wenn sie auch nur von einem italienischen Literaten 
herrührt, der weder Sachverständiger noch genau unterrichtet war, beweist doch, 
dass schon die Zeitgenossen ihm eine Verbesserung des Farbenmaterials zuschrieben. 
Auch Antonio Averulino (Filarete) in seinem ungefähr gleichzeitigen Manuscript 
deutet an, dass bei der Oelmalerei des Johann van Eyck und des Ruggiero (des 
Roger van der Weyde n) ein ihm unbekanntes Mittel angewendet werde, um der 
{Farbe ihre zu grosse Dunkelheit zu nehmen. Er nennt den Ertinder dieses Mittels 
aber nicht geradezu (Vgl. die Herausgeber des Vasari, V01. IV. S. 99), offenbar 
fallt derselbe mit dem derOeImaIerei selbst zusammen. Die Bezeichnung seiner 
Eründung als die der "Oelmalerei" (il colorito a olio, Vasari Introduzione, cap_ XXI.) 
gehört erst dem folgenden Jahrhundert an, wo die Thatsache, (lass man schon 
vorher mit Oelfarben gemalt, in Vergessenheit gerathen war und die ausführliche 
Erzählungwie Johann zu dieser Erfindung gekommen, welche Vasari imiLeben 
des Antonello von Messina giebt (Vol. lV. p. 7 5), ist eine der gewöhnlichen Am- 
pliücationen, welche dieser Schriftsteller für erlaubt und nöthig halt.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.