Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171943
Bisherige Anwendung der Oelfarbe. 
Streben" nach besserer malerischer Technik. 
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trocknenden Bindemittels, und dies war der Grund, wesshalb man sich 
bei Gemälden, welche auf feinere Ausführung Anspruch machten und 
desshalb der Uebermalung bedurften, der Oelfarbe nicht bedienen 
konnte. Ihre Bereitung kannte man schon langst, und sie wurde 
zu handwerklicher Uebertünchung von Flachen und zgr Bemalung 
von Statuen" vielfach angewandt. Bei Gemälden dagegen würde es, 
wie schon Theophilus (Cap. 23 seines Handbuchs) bemerkt, zeit- 
raubend und ermüdend gewesen sein, wenn man die Uebermalung hätte 
aufschieben wollen, bis die Grundfarbe an der Sonne getrocknet sei. 
Man gebrauchte daher Farben, welche mit Eigelb, Feigenmilch, Wein, 
Honig oder andern schnell trocknenden Flüssigkeiten gemischt waren 
und bediente sich der Oelfarbe in geringem Umfange, etwa an solchen 
Gegenständen, bei denen es besonders auf Glanz ankam, z. B. zu den 
Härchen am Sammtgewande 1). Allerdings fielen nun vermöge jener 
vorgezogenen, Bindemittel die Farben zu hell und glanzlos aus; 
diesem Mangel wusste man indess durch einen mit Oel gemischten 
Firniss, dessen Oomposition daher sehr wichtig und ein Gegenstand 
vielfacher Versuche war, so glücklich abzuhelfen, dass die Gestalten 
sich von dem leuchtenden Goldgrunde in bewundernswerther Kraft 
und Frische ablösten. Allein gerade, indem sie sich so in einer Be- 
ziehung der Natur näherten, mussten die Künstler empfinden, wie weit 
-sie in anderer hinter ihr zurück blieben. Sie mussten wünschen, wie 
den Glanz des Lichtes, so auch die Weichheit der Formen, die feinen 
Uebergange und die innere Beweglichkeit der Farbentöne wenigstens 
annähernd wiederzugeben. Dem widerstrebte aber ihr bisheriges 
Material und die darauf gegründete Malweise. So lange sie die 
Uebermalung auf bereits trocken gewordene Farben aufsetzten, be- 
hielten die Uebergänge von Licht und Schatten selbst an den Ge- 
wandern und noch viel mehr an den Fleischtheilen etwas Lebloses 
und Steifes, an Wiedergabe der Lufttöne war gar nicht zu denken. 
Sie sehnten sich daher nach einem besseren Material. Die Bereitung 
der Farben wurde nach bisherigem Brauche noch immer von den 
Malern betrieben und war ein hervorragender Gegenstand ihrer 
Sorgfalt; sie wetteiferten vorzugsweise in dieser Beziehung, neue 
Itecepte wurden als ein kostbares Geheimniss der Werkstätten be- 
handelt. Sie hatten daher einige Erfahrung und Uebung in chemischen 
Dingen und benutzten dieselbe auch bei dieser Gelegenheit. 
vielmehr dazu besonderer Muscheln oder kleiner Töpfe. Cennini nennt sie: Va- 
Sellini und warnt den Maler, diese Gefzisse so zu stellen, dass er sich nicht irre 
und nicht eine Mischimg statt der andern nehme. 
1) Wie dies Cennini a. a. O. cap. 144 beschreibt. 
Schnaasds Kunstgesch. VIII. 6
        

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