Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171869
Entschiedene Trennung romanischer und germanischer Elemente. 
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romanischen oder germanischen Vorältern ein trennendes Element, 
welches im Anfange des Mittelalters bei dem überwältigenden Ein- 
iiusse der Kirche kaum bemerkbar gewesen war, sich aber demnächst 
bei der fortschreitenden Entwickelung der Nationalitäten mehr und 
mehr ausgebildet hatte. So lange das System des Mittelalters mit 
seiner Verschmelzung romanischer und germanischer Elemente sich 
in seiner bindenden Kraft erhielt, blieb dennoch diese nationale Ver- 
schiedenheit ohne tiefere Wirkung, jetzt aber, wo es sich als un- 
haltbar ergab und ein noch unsicheres Suchen nach einer Erneuerung 
erzeugte, gewann sie eine hohe praktische Bedeutung. Je mehr nam- 
lich die Völker sich als romanische fühlten, desto stärker empfanden 
sie die Uebelstande der auf germanischer Grundlage beruhenden 
mittelalterlichen Institutionen und die Neigung, sie nach antiken An- 
schauungen zu reformiren. Je mehr dagegen das germanische Ele- 
ment überwog, desto grösser war die Anhänglichkeit an mittelalter- 
liche Formen und Zustände und der Wunsch, sie nur "so weit zu 
ändern, als nöthig war.  Während daher alle Völker des Abendlandes 
über die Nothwendigkeit einer Reform einig waren, wichen sie in 
Beziehung auf die zu diesem Zwecke einzuschlagenden Wege von 
einander ab. Es kam dadurch in die gemeinsame Arbeit von vorn 
herein eine Verschiedenheit, die aber nicht hemmend, sondern be- 
lebend und ergänzend wirkte, indem sie eine Auswahl unter ver- 
schiedenen ähnlichen Formen gestattete und vor Einseitigkeit bewahrte. 
An eine völlige, consequent durchgeführte Sonderung der romanischen 
und germanischen Elemente war auch da, wo das eine oder andere 
in der physischen Abstammung vorherrschte, nicht zu denken. Der 
gemeinsame Geist des ganzen Abendlandes war ja schon eine Mischung 
aus beiden Elementen. Auch die rein "germanischen Völker bedurften 
des Anlehnens an die Antike, als an die Quelle ihrer höheren Bil- 
dung , und auch die rein romanischen konnten sich der antiken 
Empfindung nicht ganz hingeben, sondern hielten wenigstens auf ge- 
wissen Gebieten an den mittelalterlichen, aus germanischer Wurzel 
entstandenen Anschauungen fest. Keines beider Principien war ent- 
behrlich. Das eigentliche, wenn auch nicht deutlich erkannte Ziel 
des Kampfes war nicht die völlige Verdrängung des einen beider 
Principien, sondern eher eine Verschmelzung, in welcher womöglich 
die Vorzüge beider erhalten und keinem von beiden ein allzu starkes 
Uebergewicht eingeräumt werden sollte. Unter dem Drucke der 
entarteten mittelalterlichen Zustände suchte man Hülfe im Anschluss 
an die wirkliche oder vermeinte Antike, sobald man aber mit der 
Anwendung derselben vorgeschritten war, regte sich wieder die alte
        

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