Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171838
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bei 
Anfange einer Neugestaltung der Kunst 
der Alpen. 
den Völkern nördlich 
wir eine Jugendkraft von grosser Frische und voller Lebens- 
fähigkeit. 
Es waren in der That die ersten Anfänge einer lange anhalten- 
den, geistigen Bewegung, welche allmälig zu einer Umgestaltung aller 
Lebensformen führte. 
Man bezeichnet diese geistige Bewegung gern mit dem Namen 
der Renaissance, der Wiedergeburt, und dieser Name ist in mehr 
als einer Beziehung bezeichnend. Man denkt dabei zunächst an die 
Wiedergeburt der Antike, an das erneuerte Studium der antiken 
Künste und Wissenschaften, welches in der That jetzt begann und 
ein wesentlicher Factor der ganzen Bewegung wurde. Die christliche- 
Bildung war von der griechisch-römischen Wissenschaft ausgegangen; 
an ihr hatten die Kirchenvater, wenn sie auch zuweilen sich ihr 
feindlich gegenüberstellten, ihre Schule gemacht, ihre Begriffe aus- 
gebildet, und auch später waren die traditionell wiederholten Aus- 
sprüche der antiken Schriftsteller als eine der vornehmsten Quellen 
der Belehrung betrachtet. Allmälig aber hatte die anwachsende 
scholastische Literatur das unmittelbare Studium der alten Schrift- 
steller in den Hintergrund gedrängt. Man begnügte sich mit den 
herausgerissenen, vereinzelten Sätzen aus ihren Werken, die man bei 
den Kirchenvätern oder bei den scholastischen Lehrern vorfand und 
hielt es für überflüssig oder unmöglich, auf die Werke selbst zurück- 
zugehen. Jetzt, nachdem man an dem scholastischen Systeme irre- 
geworden war, glaubte man auch die Gründe dieses Systems, die 
Prämissen der logischen Schlüsse, auf denen es beruhte, näher prüfen 
und deshalb statt der blossen Citate auch die Werke studiren zu 
müssen, aus denen sie entlehnt waren. Man warf sich daher mit 
leidenschaftlichem Eifer auf die Erforschung der klassischen Literatur 
und gelangte dadurch, da äussere Umstände, die-Eroberung Con- 
stantinopels durch die Türken, die herangereifte Civilisation Italiens, 
die Erfindung der Buchdruckerkunst und Anderes diesen Bestrebungen 
zu Statten kamen, zu bedeutenden wissenschaftlichen Resultaten, die 
man wohl als die Wiedergeburt der antiken Literatur bezeichnen 
konnte. 
Zugleich war es aber eine Wiedergeburt noch tieferer Art, eine 
Wiedergeburt der Natur. Das in unseren Tagen oft wiederholte 
Wort der Naturfeindlichkeit des Mittelalters beruht zwar, wie wir 
schon sahen, auf einem Missverständniss, aber dennoch war durch 
eine einseitige Auffassung des Christenthums und durch die über- 
triebene Werthschätzung der schriftlichen Tradition der Zusammen- 
hang mit der Natur allzusehr gelockert. Man war dahin gekommen,
        

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