Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171789
Der Holzschnitt zunächst ein Hülfsmittel der Belehrung. 
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der heiligen Lehren, welche Gott durch den Mund seiner Propheten 
gesprochen und noch spreche, darin liege der Seele Trost, die 
Stärkung und Nahrung zu allen guten Dingen. Dies wird dann er- 
läutert durch den Gegensatz gegen die weltlichen Bücher von Tristan, 
Dietrich von Bern und den alten Recken, welche der Welt und nicht 
Gott gedient hätten, oder von Leuten, die über Wasser und Land 
umhergefahren, um neue Mähre zu bringen. Wer solche lase, der 
verliere seine Arbeit, denn darin liege der Seele Trost nicht, sondern 
ausschliesslich in der Liebe zur göttlichen Weisheit. 
Das war es also, wonach man sich sehnte; Trost, Befreiung von 
Zweifeln und Gewissensangst, religiöse Beruhigung. Man suchte „das 
Eine, was Noth that", neben welchem dann zunächst andere Ziele 
und Aufgaben, also namentlich die poetische Literatur und die Sorge 
für politische Wohlordnung, eitel und gleichgültig erschienen. Die 
Tendenz dieser populären Literatur ist daher keinesweges eine der 
Kirche entgegengesetzte. Selbst von dem Bewusstsein neuer, durch 
sie nicht befriedigter Bedürfnisse, oder von einer Unterscheidung 
zwischen der Bibel und den späteren Satzungen ist in diesen Schrif- 
ten noch keine Spur, man glaubte noch immer sich auf die Autorität 
der Kirchenlehrer stützen zu müssen. Noch in dem um 1470 ge- 
schriebenen „Spiegel der Sünden" verwahrt sich der Verfasser da- 
gegen, dass er das Buch aus eigenem Haupte und Hirn gemacht und 
zählt eine Reihe von scholastischen Werken auf, aus denen er es 
zusammengestellt habe. Auch unter dem „Wort Gottes", von dem 
die Einleitung zu jenem Trostbuch der Seele spricht, ist keines- 
Weges bloss die Bibel gemeint, sondern die ganze kirchliche Tra- 
dition. Der Verfasser nimmt augenscheinlich an, dass die Offenbarung 
noch nicht geschlossen sei, sondern bis auf unsere Tage fortdauere, 
wobei denn die Entscheidung, ob das gesprochene Wort aus eines 
Propheten Mund stamme, nur von kirchlicher Autorität ausgehen 
konnte. Auch lag in dem Bestreben, wahre, eigene, innere Reue zu 
erwecken, nichts von der Kirchenlehre Abweichendes, auch diese ver- 
wahrte sich gegen eine rein ausserliche Auffassung der priesterlichen 
Absolution. Wohl aber konnte die mit leidenschaftlicher Energie 
ausgesprochene Betonung der eigenen Reue und Busse allmälig zu 
einer Verurtheilung der kirchlichen Praxis und der durch sie be- 
günstigten Werkheiligkeit führen. 
Man sieht aus allem diesem, dass der Holzschnitt mehr ein 
literarisches, als ein künstlerisches Hülfsmittel war, mehr die Be- 
lehrung, namentlich der geringeren Klassen, als eine Befriedigung 
des Schönheitssinnes bezweckte. Aber indem er diese Belehrung 
Schnaasrfs Kunstgesch. VIII. 5
        

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