Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171736
60 
Sitten, 
Literatur. 
Gebräuche, 
hielt dadurch schon gewissermaassen Andachtsbücher in Bildern, 
welchen 1nan dann wohl auch zum besseren Verständniss etwas 
Schrift hinzufügte, bald nur Spruchzettel und Unterschriften, bald 
aber auch einige Zeilen in Prosa oder Versen. Bücher dieser Art 
(Blockbücher) 1), deren Blätter durchweg mit Holztafeln und zwar nur 
auf einer Seite und mit dem Reiber, nicht mit der Presse, bedruckt 
sind, und deren Inhalt ausschliesslich oder überwiegend aus Bildern 
besteht, wurden wahrscheinlich ziemlich frühe, etwa um 1440, und 
zwar theils in Oberdeutschland, theils in den Niederlanden heraus- 
gegeben. Dort scheint die Offenbarung Johannis, also ein mystischen 
Tendenzen besonders zusagendes und zugleich durch seine "Fülle der 
Gesichte" zu bildlicher Darstellung herausforderndes Buch, hier die 
sogen. Armenbibel (Biblia pauperum) den Anfang gemacht zu haben, 
ein aus vierzig Blättern bestehendes Werk, welches auf jeder Seite 
ausser vier Prophetengestalten drei biblische Hergänge, gewöhnlich 
einen des neuen mit zwei vorbildlichen des alten Testaments und 
mehrere Zeilen erklärenden Textes enthält. Noch umfangreicher ist 
der Text in einem, sowohl im Inhalte als in der Ausführung sehr 
ähnlichen Werke, dem "Heilspiegel" (Specululn humanae salvationis). 
Ebenso gut, wie man hier Text und Bild auf einer Tafel zu- 
sammenstellte, konnte man aber auch beide trennen und den Bildern 
gesonderte 'l'extblättcr mitgeben. Dies geschah dann in einfacher 
Weise bei dem sehr beliebten Werke: Ars moriendi (die Kunst zu 
sterben), welches das Sterbebette und die Versuchungen des Teufels 
nebst den Tröstungen der Engel und Heiligen darstellte. Wie sehr 
in dieser Literatur der Zweck der Belehrung im Vergleich mit der 
künstlerischen Darstellung überwog, beweist ein anderes gleichzeitiges 
Werk, die Ars memorandi notabilis per figuras Evangelistaruin". 
Sie enthält nämlich den Inhalt der Evangelien auf fünfzehn Text.- 
blättern nebst fünfzehn Bildern, welche aber nicht etwa evangelische 
Hergänge, sondern nur die symbolischen Figuren der Evangelisten, 
den Adler (denn der macht hier den Anfang), den Engel, den Löwen 
und den Stier enthalten, stets in mehreren Wiederholungen, von 
denen jede von anderen kleinen Figuren oder Zeichen begleitet ist, 
welche Einzelheiten aus dem Inhalte der Evangelien andeuten sollen. 
Beigedruckte arabische Ziffern verweisen dann bei jedem dieser 
Zeichen auf die Stelle des Textblattes, die sich darauf bezieht. Es 
ist also gewissermaassen ein Evangelienbuch, in welchem man mit 
1) Verzeichnisse derselben s. b. Heinecken, Nachrichten 
Kunstsachcn, bei Heller a. a. 0., bei Passavant u. A. 
VOD 
Künstlern 
und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.