Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171676
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Sitten, 
Gebräuche, 
Literatur. 
zu Uebersetzungen italienischer und französischer Werke. Dichter 
ritterlicher Geburt kommen selten, vielleicht gar nicht vor, die 
Poeten von Gewerbe sind meistens bürgerlichen Standes. An den 
Höfen finden sie nur als Wappendichter Zutritt, deren Aufgabe (larin 
bestand, die Wappen in allegorisirender Weise zum Lobe ihrer Träger 
zu beschreiben und allenfalls ein Turnier zu besingen. Und selbst 
dabei sind sie so wenig von ihrem Gegenstande erfüllt, dass sie nicht 
lassen können, obgleich auf Gefahr ihrer Kundschaft, die Rohheit des 
Adels zu rügen und die Ordnung ihrer geliebten Städte zu preisen 1). 
Ebenso wenig wie an den Höfen fand die Poesie bei den Ge- 
lehrten Unterstützung. Die fortgeschrittene Bildung hatte hier nicht 
wie bei den romanischen Völkern eine Annäherung der Gelehrten an 
die besser erzogenen Laien hervorgebracht, sondern den Gegensatz" 
eher gesteigert. Die seit dem vorigen Jahrhundert zahlreich gegrün- 
deten Universitäten waren gleichsam Heerlnger eines lateinischen 
Volkes geworden, welches sich gegen die deutsche Sprache abschloss 
und verächtlich auf diese zurückblickte. Die Gelehrten verlernten 
deutsch zu schreiben. Während Bruder Bertholt im dreizehnten und 
Tauler und Eckart im vierzehnten Jahrhundert ihre gemüth- und 
geistvollen Predigten deutsch verfasst hatten, vermochten die Geist- 
lichen des fünfzehnten Jahrhunderts dies nur in lateinischer Sprache, 
aus der sie sie dann mittelst eigener Wörterbücher „füi- Prediger" 
in das Deutsche übertrugen E). 
Dagegen waren es Städter, welche die verlassene_ Kunst auf- 
nahmen und pflegten, und zwar nicht gerade die edlen, regierenden 
Geschlechter, wohl aber der am besten organisirte Theil der Bürger- 
schaft, die Handwerker. Die Meisterschulen, die im vorigen J ahr- 
hundert entstanden, in diesem zu ihrer Blüthe gelangten, hatten. zu- 
nächst den Zweck, den lllitglietlern der Zünfte einen ehrbaren Zeit- 
vertreib zu gewähren, sie von rohen und wüsten Vergnügungen ab- 
zuhalten. Sie nahmen es aber bald mit dieser Beschäftigung sehr 
ernsthaft, legten ihr eine sittlich-religiöse Bedeutung bei und be- 
trachteten sich als die einzigen legitimen Vertreter der edlen Kunst, 
als die Erben und Nachfolger der grossen ritterlichen Dichter. 
Oeffentlich oder für Geld zu singen, andere Gegenstände zu wählen, als 
die zur Ehre Gottes oder zur Verbreitung christlicher Moral dienten, 
war ihnen verboten; sie liebten es, sich mit den höchsten Dingen, 
mit den geheimnissvollen Lehren der Dreieinigkeit und der Erlösung, 
1) Beispiele bei Gervinus a. a. 0. S. 212 und 209- 
9) S. den Beweis bei Geffckcn, der Bilderkatechismus des 15. Jahrhunderts, 
Leipzig 1855, S. 10. 
        

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