Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171598
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Sitten, 
Literatur. 
Gebräuche, 
Jahrhundert behielt diese bizarren Moden bei, büsste aber den Cha- 
rakter des Jugendlichen und Naiven ein. Bei den enganliegenden 
Unterkleidern der Männer begnügte man sich nicht mit der ein- 
fachen oder geradlinig getheilten Farbe, sondern gab ihnen durch 
farbige Streifen oder aufgenähte Zierrathen, sowie durch mannigfaeh 
gestaltete, geradlinige oder geschwungene Schlitze oder Puffen auf 
Brust, Aermeln und Schenkeln, durch welche man das weisse Hemde 
sah, ein bunteres Ansehen. Auch begnügte man sich nicht, durch 
anliegende Kleider die natürliche Bildung des Körpers hervorzuheben, 
sondern suchte derselben durch enge Sclmürleiber und durch wattirte 
Stellen auf der Brust, den Armen und Schenkeln nachzuhelfen, und 
gewöhnte sich endlich so sehr an solche geschwollene Formen, dass 
man die wattirten Theile auch mit anderen Stoffen überzog, und so 
statt der natürlichen eine künstliche Gestalt zeigte. Ja der Ge- 
schmack verirrte sich so weit, dass es eine Zeitlang Mode war, die 
Schultern durch stark wattirte Aufsätze zu erhöhen und zwar dies 
in solchem Grade, dass es sich auch bei dem Gebrauch eines weiten 
Oberkleides noch stark bemerkbar machte und dem Körper den 
Schein einer Missbildung gab. Auch die Ueberkleider verloren den 
Charakter einfacher, die freie Bewegung gestattender Hüllen. Sie 
waren nach Bedürfniss und Mode höchst mannigfach gestaltet; bald 
ganz lang, bis auf die Knöchel herabfallend, sogar nach allen Seiten 
schleppend, bald nur bis an die Kniee reichend, oder noch kürzer, 
so dass sie kaum die Hüften bedeckten; bald mit mehr oder weniger 
weiten, auch wohl aufgeschlitzten und herabhängenden Aermeln ver- 
sehen, bald ohne solche mit Oeffnungen zum Durchreichen des Armes, 
zuweilen auf der Brust geöffnet, gewöhnlich aber ringsumher ge- 
geschlossen. Meistens sind sie übermässig weit, so dass der Gürtel 
über und unter den Hüften Falten bildet, welche dann zuweilen auch 
schon vorbereitet und genäht wurden und so als Verzierungen 
dienten. Dazu kamen dann Verbrämungen mit Pelzwerk und Be- 
sätze mit "Lappen und Zaddelwerk", d. h. mit Reihen von gleich- 
mässig ausgeschnittenen Lappen, die besonders den kürzeren Ueber- 
kleidern der eleganten, jüngeren Männer ein sehr buntes Ansehen 
gaben. Zuweilen machen diese Trachten den Eindruck des Bequemen 
und Behaglichen, ja sogar, "was namentlich von der langen Rebe 
gilt, welche die Mitglieder der gelehrtenj Stände oder ältere vor- 
nehme Personen trugen, den des Würdigen. In den meisten Fällen 
aber geben sie der Gestalt den Ausdruck des Steifen, Schwerfälligen, 
ja Puppenartigen. Dies besonders bei dem gewöhnlichen, etwa bis 
ans Knie reichenden Ueberrocke, der dann mit seiner dicken, fal-
        

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