Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171589
Tracht der Männer. 
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Erfindung ausmachen, geben Zeugniss von einer vorherrschend rohen 
Gesinnung. 
Ungeachtet dieses leichten und derben Tons bildeten sich auch 
in den bürgerlichen Kreisen steife, ängstlich beobachtete Umgangs- 
formen, ähnlich der Etikette der westlichen Länder, ja noch spröder 
und unbeholfener wie diese. Die Ursachen waren ähnliche; die durch 
ihre Standesvorrechte Bevorzugten hatten auch hier Interesse, auf 
ihre äussere Anerkennung mit pedantischer Strenge zu halten. Aber 
die Etikette ging hier nicht von einem glänzenden Hofe und einem 
feiner gebildeten Adel aus, dessen Ueberlegenheit den niederen Stän- 
den fühlbar war und sie von dem Wetteifer zurückhielt, sondern sie 
verbreitete sich gleichmässig über alle Classen des Volkes, so "gering 
ihre Vorrechte auch sein mochten, so dass Jeder, bis zu dem zünf- 
tigen Handwerksmeister herab, sich über die zunächst stehende Stufe 
erhob und dies durch steife und unbehülfliche Formen geltend machte, 
die dann mit der sonstigen bürgerlichen Derbheit und Gutmüthigkeit 
grell contrastirten und mehr oder weniger lächerlich erschienen. 
Auch in der Tracht ist neben einer ausgelassenen Prachtliebe 
und einer derben Sinnlichkeit der Charakter des Steifen, Conventio- 
nellen, Schwerfälligen vorherrschend. Auch hier werden die aus der 
Zeit des mittelalterlichen Systems überlieferten Motive nicht blos bei- 
behalten, sondern bis an die äusserste Grenze des Geschmacklosen 
gesteigert. Von einer Hinneigung zu einfacheren, natürlicheren Formen 
ist keine Spur. Man liebte vorzugsweise schwere und kostbare, schon 
durch ihren Werth imponirende Stoffe von Seide, Sammt, Goldbrokat, 
wie sie die erhöhte gewerbliche Thätigkeit lieferte, gefiel sich in der 
verschwenderischen Verwendung derselben, machte also die Gewänder 
länger oder weiter, und bewirkte dadurch, dass die Kleidung immer 
steifer und schwerfälliger wurde. Das vierzehnte Jahrhundert hatte 
die Tendenz gehabt, die Schönheit der natürlichen Körperbildung 
zur Geltung zu bringen. Daher die anliegenden Unterkleider der 
männlichen, die langen schlanken Mieder der weiblichen Tracht. 
Daneben bediente man sich, wenn Alter, Stand oder Witterung es 
erforderten, weiter Ueberkleider, welche zwar die Gestalt verhüllten, 
aber doch, weil-sie einfach und anspruchslos waren, die freie Be- 
wegung des Körpers gestatteten und erkennen liessen. Es lag also 
in der ganzen Tracht ein jugendlich frischer Zug, welcher es ent- 
schuldigte, wenn sich hin und wieder  z. B. in den wunderlichen 
Farbencontrasten der "getlieilten Kleidung", in den abenteuerlichen 
Schnabelschuhen mit ihren hoch hinaufreichenden Spitzen und in 
Anderem  ein jugendlicher Uebermuth zeigte. Das fünfzehnte
        

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