Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171554
42 
Sitten, 
Gebräuche, 
Literatur. 
Angaben durch unzählige Nachrichten und Beweise bestätigt. In 
ihnen war der Sitz der Gewerbe und des Handels, des Luxus und 
der Genusssucht und endlich auch der Bildung. Zuwihnen wandte 
sich der Adel von seinen einsamen Burgen, wenn er Feste feiern, 
wenn er sich ausrüsten, mit seinen Bedürfnissen versehen, wenn er 
sich Rath holen wollte. In ihnen weilten auch die Fürsten gerne 
und oft lange und liesen sich die Bewirthung und die Feste wohl- 
gefallen, deren Glanz aus dem städtischen Säckel bestritten wurde. 
Der ritterliche Kaiser Max kannte keinen lieberen Aufenthalt, als 
sein getreues Augsburg. Aus den Städten gingen aber auch vor- 
zugsweise die rechtsgelehrten, staatsklugen Männer hervor, deren die 
Fürsten in den verwickelten Zuständen Deutschlands bedurften, die 
ihnen als Räthe zur Seite standen oder sie als Abgesandte vertraten. 
Dazu kam, dass die Verhältnisse selbst in den Fürsten bürgerliche 
Eigenschaften entwickelten. Sie waren durch den Verfall des König- 
thums in eine selbständige und anspruchsvolle Stellung gelangt, 
welcher der Umfang ihres Besitzes nur unvollkommen entsprach. 
Sie mussten an Abwehr ihrer feindlichen Nachbarn, an Begründung 
grösserer Sicherheit denken, sie hatten für ihre Nachkommen zu 
sorgen und überhaupt zu viele Pflichten zu erfüllen, um sich einen 
kostspieligen Luxus erlauben zu können. Ihre beschränkten, durch- 
einander liegenden Territorien, der Anschluss an die mächtigen freien 
Städte legten ihnen vielfache Rücksichten auf, welche es nicht zu 
jenem Gefühl hochmüthiger Ueberliebung kommen liess, wie bei dem 
französischen Adel. Weit entfernt, sich wie dieser der Geschäfte zu 
schämen, hielten es daher auch die mächtigsten deutschen Fürsten 
nicht unter ihrer Würde, sich um alle Einzelheiten ihrer Regierung 
und ihres Hofhaltes zu beküminern. Die Zahl jener hausväterlichen 
milden Regenten von einfacher Erscheinung und bescheidenem Auf- 
treten nach dem Vorbilde Rudolplrs von Habsburg, deren Geschlecht 
freilich in Deutschland niemals ganz ausgestorben war, mehrte sich 
daher, und durch alle Stände verbreitete sich ein schlichter, bürger- 
licher Sinn. Während man in den westlichen Ländern die äusseren 
Formen des Ritterthums in phantastisch gesteigerter Nachahmung 
beibehielt, gab man hier eher dem Gefühl für Wahrheit und Natur 
Raum. Die ritterliche Minne war dort zu einer zweideutigen Galan- 
terie geworden, neben welcher die aus der idealen und asketischen 
Richtung des Mittelalters entstandene Trennung C16? Begriffe Von 
Ehe und Liebe sich vollkommen erhielt. In Deutschland dagegen 
nähern sich diese Begriffe, und wir finden selbst in fürstlichen Häu- 
sern mehrere Fälle, wo die Liebe mit den politischen Rücksichten in
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.