Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171501
Prunkende Sitte der Ritterschaft und der Höfe. 
Olivier de 1a Marche. 
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beschäftigen. Am auffallendsten zeigt sich dies in der Ritterschaft, 
besonders in der französisch-burgundischen, über deren Treiben wir 
gerade ein Werk besitzen, welches uns davon die anschaulichste 
Kunde giebt. Der Ritter Olivier de la Marche, der dreizehnjährig 
(1439) an den Hof der burgundischen Herzöge gekommen, demselben 
angehörte, bis er in hohem Alter (1502) als Hofmarschall starb, hat 
uns Aufzeichnungen hinterlassen, welche gewissermaassen die Ergän- 
zung und die Kehrseite zu den obenerwähnten Philipps von Commines 
bilden. Auch unser "Hofmarschall hatte an der Politik vielfachen 
Theil genommen, als Befehlshaber im Kriege, als Gesandter und als 
vertrauter Rzith des Fürsten. Allein davon erfahren wir aus seinem 
Werke nur die nothdürftigsten Aeusserlichkeiten; dagegen beschreibt 
er von seinen jungen Jahren an alle Hoffeste und Turniere mit pe- 
dantischer Genauigkeit, so dass er die einzelnen Schläge] und Stösse 
der Kampfenden und die Farbengder Gewänder und Decken von 
Rittern und Rossen registrirt. Man sieht jdaratis, {welchen Werth 
man auf diese Dinge legte, und wie eigenthümlich sich Wahrheit und 
"Maskenprunk mischte. Die Tlurniere wurden ganz ernsthaft als Schule 
nicht blos ritterlicher Bravour, sondern auch der Tugend überhaupt 
betrachtet; die Thcilnehmer streiten, „um sich im Ruhme zu fördern", 
„welcher das irdische Paradies edlen Muths ist", sie suchen „Tugend, 
die im Ruhme als in der Lebensluft des Guten blüht" 1). Auch wer- 
den die Gefechte zu Ross und zu Fuss kräftig durchgeführt, so dass 
zuweilen schwere Verwundungen vorkommen. Als Waffenübung moch- 
ten sie daher einen gewissen Werth haben, aber zugleich sind sie 
auch Schauspieleg), bei denen es auf den hineingelegten Gedanken, auf 
die Pracht der Costüme und Umgebungen wesentlich ankommt. Man 
giebt dem Turniere selbst einen romantischen Namen, rüstet den 
Kampfplatz mit Zelten und Bildwerken jtheatralisch ausg), kämpft 
auch wohl in abenteuerlichem, maskenhaftem Costümtf), selbst das 
1) Pour soy avancer e11 renommee, qui est et doit etre le paradis terrestre de 
jeunß et 1101316 Courage.  Pour faire ce dont les bons vivent toujours; c'est 
vcrtue qui dorit en renommee. Bei Petitot, Collection de Memoires, Vol. I. p. 406 
und 409. 
9) Olivier sclbsf bezeichnet sie in der That mit dem Namen, welchen damals 
die wichtigste Klasse der Schauspiele erhielt, le mistere. Chap. 9 p. 363 und 
sonst häufig. 
3) Z. 13.: Le noble pas (Parmes de la fontaine de plours (der Thränenquelle), 
wobei la fontaine, 1a dame des plours, 1a glorieuse vierge Marie und ein Einhorn 
als Bildwerk aufgestellt waren. 
4) Der Seigneur de Haut Bourdin tritt auf als Chevalier de 1a Pelerine mit 
dem Wappen des Lancelot vom See, begleitet von Knappen in weissen Pilger-
        

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