Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171490
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Sitten, 
Gebräuche, Literatur. 
der Eitelkeit des Lebens so weit geschiedenen Stände zu zeigen. 
Man hat bei mehreren dieser eigentlichen Todtentänze ihre Ent- 
stehung i1n vierzehnten Jahrhundert behauptet, allein der Beweis ist 
überall mangelhaft und das erste unbestreitbare Beispiel gehört dem 
Jahre 1424 anl). Jedenfalls aber wurde dieser Gegenstand erst im 
fünfzehnten Jahrhundert recht populär und in diesem und dem fol- 
genden unzählige Male wiederholt. Er ist die erste Aeusserung des 
Humors dieser eigenthümlichen. den Jahrhunderten der neueren Zeit 
angehörigen Betrachtungsweise. 
Eine nähere Anschauung der Art, wie sich die neuen Elemente, 
die wir bisher kennen gelernt haben, die erhöhte Bedeutung der 
Natur und die grössere Befreiung der Individualität im Leben geltend 
machten, werden wir durch die Betrachtung der Sitten und Gebräuche 
dieses Jahrhunderts gewinnen. 
Drittes 
Kapitel. 
Sitten, 
Gebräuche, 
Literatur. 
' Man könnte vermuthen, dass das erwachende Gefühl für Natur 
und Wahrheit sich auch in den Erscheinungen des _Lebens und der 
Sitte geäussert, ihnen bestimmte, einfache Formen gegeben haben 
müsse. Allein es erfolgte vielmehr das Gegentheil, sie irurden starrer, 
schwerfalliger, conventioneller. Zum Theil geschah dies schon aus 
dem Grunde, weil die Gedanken, welche diesen Formen zum Grunde 
lagen, mehr und mehr in Vergessenheit geriethen und man dem l-Ier- 
kommen nur noch gewohnheitsmässig folgte, zum Theil war es aber 
auch eine beabsichtigte Steigerung, in der man sich gefiel und auf 
die man Werth legte. Die mittelalterlichen Institutionenbestanden 
zwar noch, aber sie waren den andringenden neueren Ansprüchen 
gegenüber gefährdet. Da war es denn ein Protest und zugleich ein 
Vertheidigungsmittel, wenn ihre Vertreter wenigstens den Schein 
wahrten, die äusseren Zeichenihrer Würde mit vermehrtem Prunke 
geltend machten. Sie hatten dabei zugleich den Gewinn, der Schau- 
lust, die sich damals so mächtig regte, Stoff zu geben und sie zu 
1) Es ist hier nicht der Ort, näher auf die weitschichtige Literatur über die 
Geschichte des Todtentanzes einzugehen. Vgl. meine Aufsätze iiher diese Literatur 
in den Mittheilungen der k. k. Centralcommission, Band VI. (1861) S. 191 u. 221.
        

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