Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171483
Stimmung. 
Trübe 
T0 desgedank en. 
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lichen Dinge, zu Todesgedanken. Selbst Commines, ungeachtet seines 
ruhigen staatsmännischen Blickes und seines gläubigen Vertrauens 
auf göttliche Führung, klagt wiederholt über das Elend des mensch- 
lichen Lebens. Ihm, dem Hofmann und Geschichtschreiber, trat dies 
besonders an dem Leben der Grossen entgegen, das bei äiusserem 
Glanz und einer scheinbaren Fülle der Macht dem näheren Beschauer 
doch nur stete Kämpfe und nagende Sorgen zeigte. Aber im Grunde 
empfand Jeder auf seinem Standpunkte Aehnliches; der grelle Gegen- 
satz festlicher Lust und allgemeinen Strebens nach Besitz und Ge- 
nuss gegen die Vergänglichkeit menschlicher Grösse und die Schwäche 
und Hinfälligkcit unseres Körpers drängte sich Allen auf und wurde 
die allgemeine Grundlage der Betrachtung. Welche Stimmung sich 
daraus ergab, werden wir nachher, bei der Betrachtung der Literatur 
näher ersehen. Hier ist nur an den gerade jetzt in Poesie und 
Malerei so viel verarbeiteten Gedanken des Todtentanzes zu erinnern. 
Eine scharfe Betonung der Vergänglichkeit des sinnlichen Lebens War 
zwar in den christlichen Gemeinden seit ihren frühesten Zeiten her- 
gebracht, und auch in den früheren Jahrhunderten hatte die Kirche 
es stets versucht, die leichtsinnigen Sünder durch die Schrecken des 
Todes anzuregen und zu erwecken. Allein im Ganzen beschäftigte 
sich die Phantasie des früheren Mittelalters mehr mit den Schrecken 
der Hölle und den Versuchungen des Teufels als mit dem Tode; wie 
die Natur überhaupt, trat auch die" Naturgewalt des Todes mehr in 
den Hintergrund. Die Asketik forderte ein freiwilliges Zurückziehen 
aus dem Leben und hatte daher keine dringende Veranlassung, viel 
an das plötzliche Ende desselben durch den natürlichen Tod zu 
denken. Jedenfalls unterschied sich die ernsthafte, ermahnende Hin- 
weisung auf den Tod sehr wesentlich von der Betrachtungsweise, die 
in den Todtentänzen herrschte. Daher findet sich denn auch in der 
Blüthezeit des Mittelalters keine Spur eines solchen und selbst die 
Legende von den drei Lebenden und den drei Todten (drei Könige 
finden auf der Jagd, also im vollen Lebensgenusse, drei Leichen, auf 
deren Warnung sie sich bekehren), die wir im vierzehnten Jahr- 
hundert beliebt und häufig dargestellt findenl), gehört doch noch 
überwiegend jener früheren, lehrhaften Tendenz an und unterscheidet 
sich sehr wesentlich von der humoristisch-phantastischen Tendenz, 
welche den Tod in die Heiterkeit des Lebens hineinmischt und da- 
bei die demokratische Befriedigung gewährt, die Gleichheit aller, in 
Das 
Vgl. 
I) 
malt. 
Jahre 
erste fnir bekannte Beispiel ist vom 
den VI. Band dieses Werkes S. 547. 
1307 
und in England ge- 
3C
        

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