Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171327
Stimmung in den verschiedenen Ländern. 
Conservative 
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und Streitigkeiten konnten ihnen im Genusse des Lebens und in der 
Verfolgung ihrer weltlichen Interessen nur störend sein. Sie über- 
liessen den Hauptern der Kirche die Verantwortung und waren froh, 
dass die Autorität derselben nun wieder allgemein anerkannt und 
unbestritten war. Die Kirche, wie sie war, genügte ihnen; das Ablass- 
wesen, die Sühnung durch fromme Stiftungen waren ihnen bequeme 
Mittelfum sich mit ihrem in der Leidenschaft der politischen Kämpfe 
oder der aufgeregten Hab- und Genusssucht verletzten Gewissen in 
leichtester Weise abzufinden. Dazu kam denn, dass Viele bei dem 
Bestehen des kirchlichen Systems mittel- oder unmittelbarer Weise 
persönlich interessirt waren, oder dass sie in der von den ketzeri- 
schen Secten gepredigten Lehre der Armuth einen Angriff auf Reich- 
thum und Besitz überhaupt sahen. Die politischen Machthaber wollten 
es mit der Hierarchie nicht gern verderben und betrachteten sie als 
Bundesgenossin gegen ihre Feinde oder als Vertreterin der Legitimität 
gegen demokratische Itegungen, das künstlich wiederbelebte Ritter- 
thum sympathisirte aus begreiflichen Gründen mit dem mittelalter- 
lichen Kirchenthume, und das Beispielrder höheren Stände wirkte 
fortreissend auf das Volk. Neben diesen Selbstsüchtigen und Lauen 
gab es dann noch viele wahrhaft fromme Gemüther, welche die be- 
stehenden Missbräuche und das Ungenügende der hergebrachten äusser- 
liehen Kirchlichkeit wohl erkannten und beklagten, aber eben des- 
halb sich um so inniger an die leidende Kirche anschlossen und nach 
Kräften zur Herstellung derselben mitzuwirken suchten. Die Kirche 
war zwar nicht mehr der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens; sie 
erschütterte keine Throne mehr; einen Kreuzzug, selbst eine, Ver- 
einigung der christlichen Fürsten zur Abwehr der drohenden Türken- 
gefahr brachte sie nicht mehr zu Stande. Aber sie fand auch fast 
nirgends erheblichen Widerstand. In den romanischen Ländern war 
man von der Politik und anderen weltlichen Aufgaben hingenommen, 
daher religiösen Fragen abgeneigt und durch die Herstellung der 
kirchlichen Einheit und die ungestörte Uebung des hergebrachten 
Cultus völlig befriedigt. In Italien verbreitete überdies die neue 
humanistische Bildung eine Gleichgültigkeit gegen die Religion, neben 
der sich dann bei der Menge eine abergläubische Bigotterie unver- 
ändert erhielt. In Spanien liessen die fanatische, glaubensstolze Ge- 
sinnung des Volkes und die Inquisition keine Zweifel aufkommen. 
In Frankreich fand die restaurirte Kirche in der Scholastik, welche 
noch immer den denkenden Theil der Nation beherrschte, in dem 
Yviederbelebten Ritterthume und in der nationalen Begeisterung der 
F reiheitskriege gegen die Engländer kräftige Hülfen; es erzeugte sich 
2.
        

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