Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171294
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Gestaltung des Abendlandes. 
Kirchlich-politische 
die zahllosen Grenzen und den Mangel an Einigkeit verhindert. Es 
war ein Krieg Aller gegen Alle; die Institutionen des Mittelalters, 
ihrer edleren Motive beraubt, schienen in das Chaos, aus dem sie 
hervorgegangen waren, zurückzuführen. 
Indessen litt der Wohlstand des Landes _dadurch weniger als 
man glauben sollte; hauptsächlich durch den Einfluss der Städte, die 
nicht nur in ihren Mauern auf Ordnung hielten, und in ihrer Umgebung 
den Friedensbruch straften, sondern auch in grösserer Entfernung 
ihre Angehörigen zu schützen wussten. Auch das flache Land wurde 
nicht bleibend davon getroffen; grössere Kriege waren selten und 
gingen wie verheerende Ungewitter vorüber, hinter denen der Ver- 
kehr sich sogleich wieder hob, gewöhnliche Fehden waren nur gegen 
bestimmte Herren oder Städte gerichtet und verschonten das ruhige 
Haus des Bauern, und gegen vereinzelte Schnapphähne wusste sich 
dieser selbst zu vertheidigen. Aeneas Sylvius preist nicht blos den 
Reichthum der Städte, sondern auch den schönen Anbau des Landes 
und den Anblick, welchen es mit seinen vielen Burgen, Städten, 
Dörfern und Flecken gewähre, deutsche Dichter spotten noch in 
diesem Jahrhundert über den Hochmuth der Bauern und geben da- 
durch ein Zeugniss von ihrem Reichthume. Auch Coinmines findet 
Deutschland unglaublich gross und mächtig; das Heer, welches die 
deutschen Fürsten in einem der seltenen Augenblicke grosser Einig- 
keit dem gefährlichen Angriffe Karl's des Kühnen bei Neuss ent- 
gegenstellten, imponirte selbst seinem an die Pracht französischer 
und burgundischer Heere gewöhnten Auge 1). Es lag in dieser Zer- 
splitterung auch ein Element der Freiheit, welches die Selbstthätig- 
keit und die Sorge für die Wohlfahrt im Einzelnen mächtig förderte. 
Aber zu einer grossartigen Einigung und wirksamen Benutzung der 
Nationalkraft kam es niemals und auch im Innern waren die Mängel 
und das Schmachvolle dieses Zustandes unverkennbar und drückend. 
Die Herstellung des Landfriedens war daher ein allgemeiner Wunsch 
und ein stehender Gegenstand der Verhandlungen auf den Reichs- 
tagen, aber erst am Ende des Jahrhunderts gewährte die Begrün- 
dung des Reichskammergerichts einen schwachen Anfang besserer 
Zustände, und gerade im Laufe desselben erreichte das Unwesen 
seine Höhe. Das Kaiserthuin war noch viel tiefer gesunken als das 
Papstthum; während dieses eine bedingte Herstellung erlangte, blieben 
die deutschen Könige in einer Machtlosigkeit, neben welcher der" 
Name und der Prunk des Kaiserthums zum Spotte werden musste. 
1) Commines 
Lib.
        

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