Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171283
Innere Zustände Deutschland's. 
Nahrung gab, endlich die Unternehmung kühner und vom Erfolge 
begünstigter Kriege waren die wirksamen Mittel zu diesem Zwecke. 
Auch hier war also, wie in England und Frankreich, ein Conipromiss 
zwischen dem Alten und Neuen, zwischen dem ritterlichen Lehns- 
adel und dem Königthnme zu Stande gekommen, aber wieder in 
ganz eigenthümlicher Weise. Es war gelungen, die Gegensätze in's 
Gleichgewicht zu bringen, ohne sie durch Verschmelzung abzuschwächen; 
die mittelalterlichen Elemente ritterlicher Selbständigkeit und reli- 
giösen Eifers in ihrer Energie zu bewahren und doch dem König- 
thum genügende Kräfte zur Aufrechthaltung innerer Ruhe und zur 
äusseren Machtentfaltung zu verleihen. 
Am wenigsten vermochte Deutschland sich eine den ver- 
änderten Verhältnissen entsprechende Verfassung zu geben. Es be- 
hielt die Mangel des Mittelalters, während es die Vorzüge desselben 
verlor. Seitdem die Kurfürsten und neben ihnen auch andere grössere 
Landesherren die Untheilbarkeit ihrer Territorien und damit fast 
völlige Selbständigkeit erlangt hatten, seitdem die Kaiser, um nicht 
hinter jenen erblichen Fürsten zurückzustehen, grösserer Erblande 
bedurften, deren Erwerb, Erhaltung und Ausdehnung sie vollauf be- 
schäftigte, löste sich die Einheit des Reiches mehr und mehr. Zu- 
weilen konnte es wohl den Anschein gewinnen, als ob die Kurfürsten 
die Leitung in die Hand nehmen würden, allein dem standen dann 
wieder die kaiserlichen Rechte, das Selbstgefühl der anderen, kleineren 
Reichsstände und vor Allem ihre eigene Uneinigkeit entgegen. Alle 
Beschlüsse kamen nur im Wege schwerfälliger Unterhandlnngen zu 
Stande und die wichtigsten Angelegenheiten.scheiterten an Sonder- 
interessen. Streitigkeiten der Fürsten konnten daher nur durch 
Kriege entschieden werden, welche bei der Vielheit und Unklarheit 
der Ansprüche niemals ganz aufhörten. Aber die Reichsgesetze hatten 
auch mit deutscher Consequenz das Recht der Selbsthülfe im wei- 
testen Maasse conservirt, und so kam es dahin, dass jeder kleine 
Ritter, der ein Paar Knechte halten konnte, seine Nachbarn befehdete 
und Selbst mäßhtigen Städten, wie der Kunstausdruck lautete, absagte, 
oft nur, um von seinem Felsenneste aus ihre friedlichen Waarenzüge 
zu überfallen 1). Die früheren Kaiser waren wohl ausgezogen, um die 
Burgen solcher adligen Räuber zu brechen; die jetzigen hatten dazu 
weder die Macht, noch den ernstlichen Willen, und dass die Landes- 
herren dagegen wirksame Schritte thun konnten, wurde schon durch 
1) Wie lächerlich, ja. unbegreiflich dieser Zustand Deutschlands den Bewohnern 
besser regierter Länder schon damals vorkam, schildert Commines L. 5. ch. 8.
        

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