Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171250
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Gestaltung 
Kirchlich-politische 
Abendlandes. 
des 
und Kronanwälten vorgelegt wurde, lehnten diese die Entscheidung 
ausdrücklich ab 1). Es war nicht das Gefühl des Rechts, sondern 
Parteiinteresse, was einige Lords bestimmte, die Fahne des Hauses 
York zu erheben, während die Mehrzahl des höheren Adels dem 
Hause Lancaster anhing. Man war sich dessen vollkommen bewusst, 
dass es ein Kampf der Grossen und ihres Anhangs sei. Die Heer- 
führer selbst gaben in den Schlachten den Befehl, des Volkes zu 
schonen und nur die Edlen zu tödteng). Das Volk verhielt sich bei 
diesem Streite ziemlich passiv; seine Rechte wurden von Niemand 
angegriffen. Die althergebrachten Freiheiten, welche die Engländer 
schon damals als einen Vorzug vor anderen Nationen betrachteteng), 
das Geschworenengericht, die durch die Magna Charta verliehenen 
Rechte der Gemeinen wurden zwar vielfach umgangen oder miss- 
braucht, aber meistens nur zum Nachtheil der Grossen, und jeden- 
falls waren sie von keiner Seite principiell bestritten. Das Volk litt 
zwar augenblicklich durch die auf seinem Boden ausgefochtenen 
Schlachten, aber es trug auch zuletzt die Früchte davon. Je mehr 
der Adel sich in selbstmörderischem Kampfe aufrieb, desto Wichtiger 
wurde die Gunst des Volkes, desto mehr erkannten die Fürsten die 
Nothwendigkeit, sie zu verdienen. Selbst der scham- und gewissen- 
lose Richard III. glaubte die öffentliche Meinung wenigstens durch 
eine, freilich leicht zu (lurchschauende Heuchelei schonen zu müssen. 
Und als die Nation sich dennoch gegen ihn empörte und den letzten 
Sprössling des Hauses Lancaster, Heinrich VII., erhob, der durch 
seine Vermählung mit der Erbtochter des Hauses York die Ansprüche 
beider Linien vereinigte (1485), hatte sie einen König gewonnen, der, 
unbeirrt durch ritterliche Vorurtheile, die Verhältnisse nüchtern und 
einfach in's Auge fasste. Indem er auf auswärtige Eroberungen, 
namentlich auf die Fortsetzung des französischen Krieges verzichtete, 
dann aber der bisherigen Gewohnheit des höheren Adels, sich mit 
bewaffneten, in ihre Farben gekleideten Schaaren ihrer Lehnsleute 
zu umgeben, mit Strenge entgegentrat4), sorgte cr zunächst für die 
Stärkung der königlichen Gewalt, zugleich aber auch für das Wohl 
1) Pauli, Gesch. v. England V. 349. 
2) Pauli a. a. 0. S. 345 und Commines L. III. ch. 7. 
8) Wie dies ein Zeitgenosse, der Richter Fortescue in seinem Werke: de lau- 
dibus legum Angliae in starken Worten ausspricht. Pauli a. a. O. S. 661. Auch 
Commines urtheilt, dass England das Land sei, oü 1a chose publique est mieux 
traictäe, oü il y a moins de violence sur le peuple. 
4) Pauli a. a. O. S. 542.
        

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