Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164589
84 
Buch 
III. 
Italien. 
Jahrliundert. 
Umbrien. 
entschieden mit der Art der Florentiner überein. Anderes 
aus dieser Zeit übergehe ich. 
Nachdem Perugino in solcher Weise die Schule durch- 
gemacht" hatte, wandte er sich wiederum zu seiner früheren 
eigenthümliohen Weise zurück. Und wenn somit seine frühe- 
sten Arbeiten die vorherrschende Stimmung seines Gemüthes 
und Richtung seines Geistes darlegen, wenn in den nach- 
folgenden das Studium vorzuwalten scheint, so wird derjenige 
Abschnitt seines Künstlerlebens, in welchem er, zu seinen 
ursprünglichen Bestrebungen zurückkehrend, diese mit der 
Kraft und Klarheit der Darstellung hindurchführte, welche 
er vorangehenden Studien verdankte, nothwendig die grösste 
und schönste Epoche des Künstlers sein. So bildeten sich 
in dieser Zeit jene süsse Anmuth und Weichheit, jene zarte, 
schwärmerische Sehnsucht aus, Welche den Werken Peruginds 
einen so hohen Reiz geben. Lassen seine Gestalten auch 
zuweilen an Kraft und an Erfüllung ihrer Existenz Manches 
zu Wünschen übrig, so sind doch seine Köpfe, vornehmlich 
die jugendlichen und begeisterten von hinreissender Schön- 
heit; auch hat er in der Färbung, sowohl in der Carnation 
als in der Gewandung, in den warmen heiteren Lüften, in 
den wohlabgestuften Landschaften, mannigfache Verdienste. 
 Im Allgemeinen bezeichnen diese WVerke somit wohl den 
Höhepunkt der Schule überhaupt, oHenbaren aber auch be- 
reits ihre Grundmängel. Perugino hat die höhere drama- 
tische Historienmalerei fast geflissentlich vermieden und auch 
die übrigen Maler seiner Schule (Rafael immer ausgenommen) 
stehen hierin den Florentinern bei weitem nach. In nahem 
Zusammenhang hieinit steht das für diese Zeit mangelhafte 
Bewusstsein von der organischen Bewegung des Körpers und 
die Beschränkung auf einzelne, stets wiederkehrende Stellungen, 
Da nun der Ausdruck in seiner zwar einseitigen, aber bis 
jetzt beispiellosen Intensivität einen ganz eigenthümlichen 
Ersatz gewährte, so konnte es nicht ausbleiben, dass schon 
der Meister selbst darin mehrmals zu Weit ging und später 
stereotyp wurde. Wo eine grössere Anzahl seiner Bilder bei- 
sammen sind, wirkt die halbwehmüthige Ekstase, der auf-
        

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