Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164369
62 
Buch IH. 
Italien. 
XV. Jahrhundert. 
Venedig. 
145. 
lungsweise der benachbarten paduanischen Schule, so jedoch, 
dass sie deren übertriebene Strenge jetzt glücklich vermieden 
und dass sie sich auch in diesen Dingen mit vollkommener 
Freiheit bewegten, wenn ihre besonderen Absichten damit in 
Widerspruch geriethen. Uebrigens zeigt sich jenes vor- 
herrschende Element der Farbe bei den venetianischen Meistern 
der Zeit zumeist nur als das Wohlgefallen an leuchtender 
Pracht und buntem Glanze; eine vollkommen harmonische 
Verschmelzung desselben blieb einer späteren Periode vor- 
behalten. Was die Darstellungsweise im Einzelnen betrifft, 
so kommen eigentlich geschichtliche Compositionen selten vor, 
und wo dergleichen angewandt werden, bemerkt man eine 
von der Weise der Florentiner und Paduaner verschiedene 
Auffassung. Herrscht bei diesen eine gesetzmässige Anord- 
nung des Ganzen, eine gemessene Gruppeneintheilung u dgl. 
vor, so zeigen die Venetianer hierin von vorn herein eine 
gewisse Hinneigung zu dem sogenannten Genre, indem das 
Ganze sich mehr zerstreut und der Reiz der Umgebungen 
und Nebendinge, vornehmlich die Landschaft, sich bedeuten-e 
der ankündigt. Häufiger sind die Bilder, welche nach her- 
gebrachter Weise eine Madonna auf dem Throne und die Hei- 
ligen, die eben eines jeden Bestellers Andacht erforderte, um 
sie versammelt darstellen. Bis auf die Vivarini, also später als, 
in andern Schulen, waren die einzelnen Heiligen durch be- 
sondere Einfassungen getrennt und zwar auf Goldgrund dar-- 
gestellt worden; jetzt fiel das trennende Stabwerk Weg, das 
Ganze wurde ein Bild mit meist architektonischem Hinter-- 
grund und das "Heiligengespräch" (santa conversazione) 
konnte beginnen. Jetzt wurden die Heiligen nicht mehr wie 
früher, in gleichen Entfernungen und ruhiger Gebgrdg hin- 
gestellt, sondern es musste irgend ein Gegensatz ausgemittelt. 
werden: sah der eine zur Jungfrau empor, so musste der 
andre in einem Buche lesen, kniete der eine, so musste der 
andre aufrecht stehen. Dann wurden die Lüfte des Hinter- 
grundes insgemein licht und hell gehalten, um die Schön- 
farbigen Gestalten desto mehr abheben zu können. Auch 
suchten sie ihre Compositionen mit lieblichen Umgebungen
        

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