Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169621
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Buch IV.- 
Norden  
XVI. 
Jahrhundert. 
Ital. 
Einfluss. 
haben sogar Manches aus erster Hand, was die ausseritalie- 
nische Kunst erst. aus zweiter Hand, nämlich von-ihnen selbst 
entlehnte. hllerkwürdig ist diese Periode indess doch; nicht 
bloss durch ihren Zusammenhang mit der Zeitgesehichte, 
sondern Nund hauptsächlich durch den innern Kampf, welchen 
der noch immerzu Grunde liegende, zu baldigem neuem 
Aufblühen bestimmte Realismus gegen die von Italien aus- 
gegangenen allgemeinen Ideale führt  indem er sie an zahl- 
losen Stellen durchbricht und durch Abenteuerlichkeiten oft 
auf komische Weise stört.  
Wir betrachten zunächst die niederländische 
K unstx"), in welcher die Üebergänge am deutlichsten zu 
Tage liegen.   
Mehrere der im Vorigen namhaft gemachten Meister, 
welche die heimische Conipositionsweise durch das Studium 
italienischer Kunst zu verbessern bemüht Waren, hatten in 
der späteren Zeit ihrer Wdrksalnkeit das Zwiespaltige einer 
solchen Verbindung erkannt und sich gänzlich der Nachah- 
mung italienischer Malerei zugekehrt. Im weiteren Verlaufe 
des XVI. Jahrhunderts fand die letztere Richtung in immer 
ausgedehnterem Maasse statt. Und zwar wandte man sich 
zunächst ausschliesslich der Horentinischen und römischen 
Schule zu, indem man hier dasjenige, was man in der Hei-l 
math vermisste: eine vollkommene und grossartige Entwik- 
kelung  der Form, als charakteristische Eigenthümlichlteit 
bereits entwickelt vorfand. Doch gilt auch von diesen Nach- 
ahrnern (und in noch stärkerem Maasse) dasselbe, was be- 
reits bei den vorgenannten Künstlern gesagt ist, dass ihnen 
nämlich der innerliche, ethische Lebenspunkt, aus dem jene 
freiere Schönheit der grossen Meister Italiens hervorgegan- 
gen war, fremd blieb, dass sie in der Nachahmung äusser- 
lieber Typen verharrten, dass das Ideal, zu dessen Höhe 
sie sich allerdings emporschsvangen, nur als ein formelles, 
inhaltloses, innerlich todtes zu betrachten" ist. Nurin Por- 
ü) Vgl. Schnaase, Niederländische Briefe, S. 249 ü". Waagen, 
Paris, S. 541 ff.  Die weitere Geschichte der Landschaft und des 
Genre im XVI. Jahrhundert behalten wir dem folgenden Buche vor.
        

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