Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164299
143. 
Die 
Bramantini. 
Borgognone. 
55 
von unten, als Reflex des Fussbodens. Unter anderen in 9. 
Mailand vorhandenen Werken dieses Künstlers wird vornehm- 
lich, über der Thür der Kirche S. Sepolcro, eine Darstellung 
des todten Christus zwischen den Marieen "gerühmt, indem 
hier die perspectivische Zeichnung des von den Füssen aus 
verkürzten Leichnames unübertrefflich genannt wird. Leider 
ist dies Gemälde jedoch, um es gegen die Witterung zu 
schützen, so dicht mit Glas und Gittern verschlossen, dass 
man durchaus nichts davon erkennen kann. Ein Altarbild in  
der Sammlung des Duca Melzi in Mailand zeigt bei manchen 
Sonderbarkeiten eine freie und schöne Zeichnung. Das 10- 
edelste und vollendetste Werk des Meisters aber sind die 
Fresken am Gewölbe der Brunokapelle in der Karthause von 
Pavia, wo die Familie Visconti abgebildet ist, Welche der 
Madonna den Plan dieser Kirche knieend überreicht. Hier 
ist der Styl Bramantinds zu hoher, fast rafaelischer Voll- 
kommenheit geläutert. 
Dagegen hielten sich eine ganze Anzahl mailändischer 
Maler sowohl von der paduanischen Weise als von der des 
Leonardo ferne und bildeten, zum Theil mit sehr mässigem 
Talente, die Richtung der ältern mailändisehen Schule mit 
-der ihr eigenthümlichen Weichheit der Auflassung und der 
Behandlung weiter aus, sodass wir sie trotz der späten Zeit 
schon hier einzurcihen haben. Natürlich blieben einzelne ver- 
lorene Einwirkungen von verschiedenen Seiten her nicht aus- 
geschlossen. 
Der namhafteste Künstler dieser Reihe ist Ambrogio 11- 
Fossano, genannt Borgognone, dessen Blüthe in die 
letzte Zeit des XV. und in den Anfang des XVI. Jahr- 
hunderts fallt. Seine Bilder zeigen keine besondere Kraft, 
keine genügende Durchbildung der Gestalten; dabei in den 
Köpfen, vor Allem in den Kinderengeln, die er besonders 
gern anbringt, eine bisweilen höchst liebenswürdige Milde 
und Sanftmuth, bisweilen aber auch einen trüben und herben 
Ausdruck, der von der Süssigkeit der gleichzeitigen Schüler 
Leonarddß grell absticht. (Die bisweilen auffallende Aehn- 
lichkeit mit dem Typus des Francesco Francia scheint wohl
        

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