Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169356
Kölner. 
Der 
Pseudo-Sehoreel. 
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Basel einen Schimmer der Unsterblichkeit verbreiten; statt 
dessen begegnet man dem verfeinerten, im Einzelnen Selbst 
veredelten, oft aber auch abgeschwächten und verwilderten 
Ausdruck der Inspirationen des XV. Jahrhunderts. Dass 
eine Stockung der früher so gewaltigen Kräfte auch in andern 
geistigen Gebieten vorhanden war, lehrt die verhältnissmässig 
geringe und meist passive Betheiligung an den Kämpfen der 
Zeit, deren wichtigste Vertreter alle aus Sachsen und Ober- 
deutschland kamen. Und selbst die wahrhaft bedeutenden 
Leistungen aus dieser Zeit hat eine falsche Tradition der 
letzten Jahrzehende niederländischen Malern zugesprochen, 
ohne dass man dieselbe  bei den so dürftigen historischen 
Nachrichten  anders als durch Vergleichung mit den authen- 
tischen Bildern dieser Niederländer widerlegen könnte. Immer- 
'hin bleibt eine --'ohne Zweifel durch fortdauernde Ein- 
wirkung vermittelte  Aehnlichkeit beider Schulen übrig, 
welche es im einzelnen Falle oft schwer macht, ein entschie- 
denes Urtheil zu fällen. Nicht nur die miniaturartigc Voll- 
endung alles Einzelnen, der Reiäthum der Beiwerke und 
Landschaften, in bessern Werken auch die Harmonie des 
Tons und die Behandlung des Helldunkels ist z. B. einigen 
Kölnern und Niederländern zu Anfang des XVI. Jahrhun- 
derts völlig gemeinsam, sondern auch die Art der realistischen 
Aufiassungsweise überhaupt, welche sich mit dem Zunächst- 
liegenden, mit gewöhnlichen Charakteren leichter zufrieden 
giebt als die Schule Düreris, und dieselben mit ungleich ge- 
ringerer Tiefe der Realität. auffasst als Holbein, dabei aber 
eine feine und ansprechende malerische Durchführung mit 
Glück zu erreichen pflegt. Die Anordnung ist oft ohne rech- 
tes Gleichgewicht und selbst zerstreut; auch einzelne von der 
fiandrischen Schule ererbte Gewohnheiten, wie z. B. die etwas 
umständliche, brüchige Gewandung, scheinen sich hier länger 
als bei den Oberdeutschen gehalten zu haben. Endlich ist 
es wohl nicht zu gewagt, wenn wir den niederrheinischen 
Malern vorzugsweise eine gewisse Neigung für die schmerz- 
bewegten Scenen namentlich der: Passion zuschreiben, welche 
schon im XV. Jahrhundert. sich geltend macht, gleichsam als 
Kugler Malerei n. 36
        

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