Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169322
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Buch IV. Norden. 
XVI. Jahrh-f 
Oberdeutschland. 
Krieger, sondern Pfaffen und Mönche, welche mit ihren Dir- 
nen umhersitzen und entsetzt beim Anblick des Heiligen aus- 
einanderfahren  
 Als seine frühsten Bilder gelten zwei Tafeln der Col- 
marer Sammlung, Petrus mit Jacobus, und Magdalena mit 
S. Ottilia auf Goldgrund darstellend; auch die Rückseiten 
enthalten zusammen 4 Heilige. Es ist ein untergeordnetes 
Werk colmarischer Richtung. Mehrere Bildnisse, ebenfalls 
wohl aus früherer Zeit, befinden sich im Privatbesitz zu Bern. 
ManuePs wesentliche Richtung drückt sich zuerst in drei. 
ziemlich grossen auf Leinwand gemalten Temperabildern der 
öffentlichen Sammlung zu Basel aus. Das eine, vielleicht 
ein Gelegenheitsbild, das Urtheil des Paris in lebensgrossen, 
theils nackten, theils lüstern verhüllten Figuren darstellend, 
ist von kräftiger, lebendiger Zeichnung, berührt aber die 
Grenzen des naturalistischen Humors. Das zweite enthält 
in zwei Scenen die Geschichte von Pyramus und Thisbe, 
sämmtliche Figuren mit stattlicher oberdeutscher Tracht; im 
Hintergrunde eine bunte, prachtvolle Landschaft. Das dritte, 
wahrscheinlich als Grabtafel gemalt und feiner als die übri- 
gen behandelt, zeigt die Madonna mit dem Kinde, St. Anna 
u. a. Heiligen oben in den Wolken, unten in einer noch 
reichern, vorzüglich componirten Landschaft eine Anzahl von 
Menschen verschiedener Stände, worunter auch Kranke.  
Dieselbe Sammlung besitzt noch zwei kleine Oelgemälde, 
braun mit schwarzer Schraffirung und weissen Lichtern, vom 
Jahre 1517: eine etwas derbe Lucretia, und David, der ba- 
denden Bathseba zuschauend. Auf der Rückseite des letz- 
teren Bildes sieht man als Gegensatz- ein üppiges WVeib von 
einem Skelett umarmt, mit einer Geberde , welche eine 
schauerliche Anspielung auf eine damals neue Krankheit ent- 
hält.  Eine Enthauptung Johannis, ebenda, ist dagegen mit 
aller Pracht und Harmonie eines höchst ausgebildeten Colo- 
irites miniaturartig ausgeführt. Befangen und zitternd empfängt 
ÜWQ sehr gerade in der Schweiz solche Satiren Eingang in die 
bildende Kunst gefunden, belegt Grün eisen, S. 75 u. f. mit Bei- 
spielen. 
        

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