Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169243
550 
Buch 
Norden. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Holbein d.  
der Hand RafaePs von Urbino oder Tiziaxrs"; wohl aber mag 
Manches von der Hand Holbeidswgewesen sein. Von den 
U-Fresken am Rathhause glaubt. man einen Zug von Kindern 
im Waffenspiel an der Bhcade und ein Fragment an der 
Hofwand (links) wenigstens auf eine Holbein'sche Grundlage 
zurückführen zu können. 
 Endlich erwähnen wir hier aim besten der Holzschnitt- 
werke, welche theils erweislich, theils wahrscheinlich vor der 
Üebersiedelung nach England entstanden. Dass Holbein 
selbst hie und da in Holz geschnitten, ist wohl möglich; 
dass aber die Hauptwerke dieser Art nach seinen Zeichnun- 
gen von Andern, das Vortrefflichste von Hans Lützel- 
burger, geschnitten wurden, ist jetzt zur Ueberzeugung 
dargethank).  Es sind Bilder zum alten Testament, drei 
Alphabete von verschiedener Grösse, einzelne Figuren und 
12. Titeleinfassungen, und der berühmte Todtentanz in mehr 
als 40 Blättern, welcher schon von 1538 an in Lyon viele 
 Male neu abgedruckt und mannigfach nachgebildet worden 
istH).  
Die Idee einer symbolischen Darstellung der Nichtigkeit 
alles Irdischen und der Gleichheit vor dem Tode hatte schon 
den ältern Todtentänzen zu Grunde gelcgcnaim"). In dem- 
jenigen des Predigerklosters zu Basel War der Tanz jedes 
einzelnen Standesrepräsentanten mit seinem besondern Tode 
ohne Zuthaten und Idintergruxnd bis zur Eintönigkeit durch- 
geführt. Holbein nahm den Gedanken tiefer, geistvoller, 
aber noch bittrer und unversöhnlicher wieder auf; statt der 
immer wiederkehrenden Tanzbewegung lässt er die einzelnen 
i) Insbesondere in den genannten Aufsätzen von Sotzmann und 
P, Viseher, letzterer im Kunstbl. 1838, N0. 50 u. f., gegen die er- 
wähnten Schriften Rumohr's. Vgl. S. 272. 
H) Les simulaclzres et historiees faces de la mort, autant ele- 
gamment pourtraictes, que artificiellement imaginäes, A. Lyon.  
Neuerlieh faesimilirt von Prof. Sehlotthauer. 
f") Der zahlreichen Portraits jener Zeit nicht zu gedenken, welche 
von einem Gerippe begleitet sind. Dies gehört zusammen mit andern 
Erscheinungen jener lebenslustigen Zeit, mit den Gebeten und Zaube- 
reien wider schnellen Tod, mit dem Cultus des h. Christoph. mit man- 
ghen Beispielen freiwilliger Busse der strengsten Art.
        

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