Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169207
546 
Buch IV. Norden. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Holbein 
251. 
Fackellicht; Geisselung und Verspottung machen dagegen 
durch das Dämonisch-Possenhafte der Peiniger einen widri- 
gen Eindruck, da der Gegensatz grossartigen Duldens fehlt. 
Die Kreuztragung, obwohl reich an einzelnen Schönheiten 
und durch eine herrliche Landschaft ausgezeichnet, unterliegt 
doch der Ueberfüllung, welche in der auf das glücklichste 
angeordneten Kreuzigung, einem der vollendetsten und reich- 
sten Bilder, bereits überwunden ist. Das Edelste und Er- 
greifendste ist die Grablegung, deren Hauptmotiv der rafae- 
lischen im Pallast Borghese gleicht; der tiefste Schmerz in 
allen Anwesenden ist doch mit edler Fassung gepaart, Maria 
sinkt nicht in Ohnmacht, wohl aber ist ein Theil ihres Ant- 
litzes durch den Schleier den Blicken entzogen. 
Zwei wunderbar reizende, reich gekleidete weibliche 
Halbfiguren in derselben Sammlung, die eine als „Lais 
corinthiaca 1526" bezeichnet, die andere von einem kleinen 
Amorin begleitet, möchten wohl zunächst auf. die Passion 
folgen. Die erstere deutet halb verdriesslich auf einige vor 
ihr liegende Goldstücke hin; die andere; minder schön, blickt 
den Besehauer mit schalkhafter Lieblichkeit an. Mögen auch 
beide eine und dieselbe bestimmte Dame darstellen (ein Fräu- 
lein aus der Familie von OfFenburg), so liegti doch der Auf- 
fassung des Kopfes offenbar das zugespitzte Oval und das 
verführerische Lächeln der weiblichen Köpfe Leonardds zu 
Grunde, an welchen auch der Ton der Carnation, die ganze 
Art der Modellirung und die ausserordentlich schönen Hände 
erinnern. Die Gewänder, in der stattlichen Art jener Zeit, 
sind von glühender Farbenpracht, sodass man, den Ge- 
schmack und die Anmuth alles Uebrigen hinzugenommen, 
diese beiden Bilder wohl als einzig in der nordischen Kunst 
bezeichnen darf f).  
 Rumohr wollte sie ohne Noth dem Bernard van Orley zuschrei- 
ben; Waagen (I1, 276) glaubt eine Einwirkung Jles Qu. Massys zu er- 
kennen, welchen Holbein im Verlauf desselben Jahres 1526 besucht zu 
haben scheint.  Die Echtheit dieser u. a. Bilder ist überzeugend nach- 
gewiesen in dem schon erwähnten Aufsatz von Herrn P. Viecher, 
Klmstbl. 1838, N0. 54.
        

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