Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169129
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Buch IV. Norden. XVI. Jahrhundert. 
Oberdeutschland. 
äaso. 
gross erscheint als Johann van Eyck und Albrecht Dürer in 
der ihrigen, und wie diese einen geistigen Höhepunkt seiner 
Zeit bezeichnet.  
Holbein war von vorn herein günstiger gestellt als 
Dürer. Sein' Vater hatte für diejenige Richtung, deren 
höchste Vollendung ihm vorbehalten war, den Weg bereits 
geebnet, er fand einen sehr ausgebildeten Naturalismus von 
freier Lebendigkeit und Anmuth, eine vielseitige Charak- 
teristik, ein harmonisches Colorit schon als Erbe vor, während 
Dürer seine besten Jahre daran setzen musste, die Wohlge- 
muth'schen Manieren zu überwinden. Aber auch in andern 
Beziehungen ist Holbein das vollständige Gegenbild, die Er- 
gänzung zu Dürer. Die Grundlage seines Wesens ist die 
Freude an dem individuellen Dasein, an der Aeusserung des 
geistigen und körperlichen Lebens als solcher; von diesernt 
Punkte aus gehen seine Streifzüge in die höchsten Aufgaben 
der Kunst, in die dramatisch bewegte Gesehichtscomposition 
hinein; auf jenen Punkt zog er sich in seiner spätern Zeit 
fast in einseitiger Weise zurück, und die Bildnissmalerei 
genügte ihm fortan als Ausdruck seines höchsten innern 
Reichthums. Auch als Zeugniss der Zeit erscheint Holbein's 
Streben bezeichnend genug; von den nordischen Malern ist 
_Er zuerst vollkommen innerlich profan im edlern Sinne; selbst 
an den kirchlichen Aufgaben begeistert ihn rein das psycho- 
logische und malerische Interesse; der Glaubensstreit scheint 
ihn in seiner so zu sagen kosmopolitischen Sicherheit gar 
nicht berührt zu haben. Seine Gestalten haben, wie die- 
jenigen Shakspeards ihre innere von aller Convention unab- 
hängige Nothwendigkeit. Eine unmittelbare Richtung auf 
ideale Schönheit und Grösse ist darin nicht zu erkennen; 
wo diese Eigenschaften aber geboten waren, treten sie auf 
N0. 102 und 1846, N0. 27.  Neuestes: A. Woltmann: Holbein und 
seine Zeit, Leipzig bei Seemann 1866, ein Werk voll sehr eingehender 
und umfassender Untersuchungen, von vielen urkundlichen Mit- 
theilungen begleitet. Holbein-Album (Photographien) mit Text v. 
A. .Woltmann Berlin, G. Schauer. 
        

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