Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168971
Cranach d.  ; 
Mährched- 
u. Mythenbilder. 
523 
Esterhazy zu Wien, u. s. w.  Ungleich anziehender jedoch 12. 
ist die Darstellung Christi, welcher die Kinder segnet, die 
Cranach ebenfalls mehrfach, in verschiedener Weise gemalt 
hat. Eins der schönsten Exemplare dieser Darstellung be-13_ 
findet sich, in der Wenzelkirche zu Naumburg; was den Zau- 
ber der Unschuld, der naiven Grazie und tiefsten Gemüthlich- 
keit anbetrifft, so möchte dies Bild vielleicht von keiner 
andern Leistung des Meisters übertroffen werden. Ein zwei-M. 
tes Bild desselben Inhalts sieht man in der St. Annenkirehe 
zu Augsburg, ein drittes (vortreffliches) in der Sammlung von I5. 
Thomas Baring in London, ein viertes im Besitz der Familie 16. 
von Holzhausen zu Frankfurt a, M., u. s. w.; auf letzterem 
Bilde sind Luther und seine Frau als Kinder dargestellt.  
Hieher gehören auch verschiedene kleine Bilder Cranaclfs mit 
Darstellungen der iheil. Familie, wie sich z. B. ein sehr an- 17, 
muthiges Bild der Art, vom Jahre 1504 in der Galerie Sciarra 
zu Rom, ein andres im Besitz des Herrn Campe zu Nürn-IS. 
berg befindet.  Eins der nicht eben zahlreichen Legenden-lt). 
bilder Cranaclfs, die heil. Ursula mit ihren Jungfrauen in der 
öffentlichen Sammlung zu Basel, ist überreich an anniuthigen 
Mädchenköpfen. 
ä. 246. Aber auch bei Cranach hat, wie bereits ange- 
deutet wurde, die allgemeine Richtung der Zeit aufs Phan-  
tastische eine eigenthümlich selbständige Ausbildung erlangt, 
und erscheint dann mit allem Zauber, welchen die Poesie der 
Mährehemrelt zu bieten vermag, geschmückt. Unter den  
Werken der Art war mir besonders ein kleines Bild inter- I. 
essant, welches sich unter den Gemälden des "gothischen 
Hauses" im Park zu Wörlitz befand und im dortigen Kata- 
l0ge, nicht ganz passend, als „der Ritter am Scheidewege" 
bezeichnet war. Man sieht auf dem Bilde einen stahlgepan- 
Zerten Ritter, der sinnend auf einem Steine sitzt, und _vor 
ihm drei nackte Jungfrauen, welche farbige Schleier um ihre 
Hüften tragen, das Haupt mit Hut, Netz und Ketten ge- 
schmückt. Zwischen den Jungfrauen und dein Ritter steht 
ein Greis in goldglänzendem Harnisch, den Helm mit Schnä- 
beln und Flügeln verziert, die Füsse von den Knien an ent-
        

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