Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168964
522 
Buch IV. 
Norden. 
XVI. Jahrhundert. 
Sachsen. 
245. 
aller Gemeinheit wenigstens lebendig und nicht carikirt. Auch 
das Abendmahl auf der Altarstaffel und das (zum Theil ver- 
dorbene) jüngste Gericht auf der Rückseite sind reich an 
schönen Köpfen und ausdrucksvollen Motiven. Die vier Flü- 
gelbilder der Vorderseite und die vier der Rückseite enthal- 
ten eine analoge Zusammenstellung heiliger Geschichten und 
Symbole ü) im protestantischen Sinne wie die oben genannten 
Altarwerke, und sind ein ebenso merkwürdiger Beweis für 
die anfänglich so enge Verschwisterung des Protestantismus 
mit der damaligen Kunst. 
Um nicht durch die Aufzählung mannigfach gleichartiger 
Werke zu ermüden, möge hier nur noch eine Reihenfolge 
S. von Gemälden aus der Passionsgeschichte Christi in der 
Gemäldegalerie des k. Schlosses zu Berlin erwähnt werden, 
in denen wiederum jenes, bei andern Künstlern der Zeit be- 
rührte Streben nach übertriebener Charakteristik hervortritt. 
Sie sind aus der Zeit von 1537 und 1538. Eine Kreuz- 
tragung, ein äusserst lebensvolles Bild, die Schergen und Zu- 
schauer mit trefflich gemalten, energischen Köpfen und ebenso 
eine Geisselung sind unter diesen Bildern namentlich hervor- 
zuheben. Dieidrei Bilder aus der Leidensgeschichte Christi, 
9. die sich im Berliner Museum befinden, gehören, wie es scheint, 
zu derselben Folge. 
In einigen kleineren Bildern heiligen Inhalts zeigt sich 
vornehmlich Cranach's Richtung zum Anmuthigen in ihrer 
schönsten Entwickelung, seltner zugleich die eben besprochene 
Neigung zu übertriebener Charakteristik. Beides vereint, in 
10, der Darstellung der angeklagten Ehebrecherin, die sich in 
 der Moritzkapelle zu Nürnberg befindet; hier ist Christus 
von sehr mildem, liebevollem Ausdrucke, die Ankläger dage- 
gen von äusserst rohem bestialischem Charakter. Wieder- 
holungen des Bildes, mit einzelnen Veränderungen, kommen 
lLmehrfach vor, in der Münchner Pinakothek, in der Galerie 
 Das Nähere s. bei Waagen, Deutschland, I, S. 53. Zwei klei- 
nere Bilder, von ähnlichem Inhalt wie diese Flügel, befinden sich in 
dgr Moritzkapelle zu Nürnberg.
        

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