Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168914
Sächsische 
Maler. 
Lucas 
Cranach. 
der 
ältere. 
517 
besonders bei den weiblichen Gestalten, findet man in diesen 
Gemälden sogar noch eine Erinnerung an die eigenthümlich 
grossen, oft- Weichen Linien des gothischen Styles: im Einzelnen 
treten jedoch die Motive der späteren Zeit ein. In den 
schönen stillen Gesichtern der Heiligen, namentlich der W ei- 
ber, in der besonderen nationellen Form der Köpfe, in der 
etwas gesehlitzten Form der Augen, kündigt sich übrigens 
ein eigenthümlich gebildeter Bleister an; die Technik ist zwar 
noch streng, die Zeichnung scharf, doch fehlt es im Einzel- 
nen nicht an genügender Durchbildung und Modellirung. 
Allerdings steht. das Werk im Einzelnen der Wohlgemuth- 
sehen Schule so nahe, dass man es kaum als unabhängige, 
einheimische Production bezeichnen darf.  Nicht minder 
anziehend 
ist 
der 
Schmu ck 
des 
Hochaltares 
im 
Dome 
zu 
Brandenburg, ebenfalls ein Schrein mit Holzstatuen und mit 
gemalten Heiligeniiguren auf den Flügelthüren, vom Jahre 
1518;), Letztere wiederum sind grossartig feierliche Gestal- 
ten, in eineni edlen würdigen Style gezeichnet, mit einer 
leichten, geistreich andeutenden Praktik gemalt, zugleich aber 
die einzelnen Köpfe mit grosser Sicherheit modellirt. Einige 
dieser Köpfe tragen das Gepräge einer ernsten, tief gemüth- 
vollen Charakteristik, in andern herrscht mehr jener Hauch 
einer eigenthümlich weichen Milde, welcher den vorzüglichsten 
Leistungen des gothischen Styles eigen zu sein pflegt; und 
wie ferner einzelne Figuren in ihrer Gesammt-Erscheinung 
an Albrecht. Dürefs grossartige Linien erinnern, so findet 
man in andernEinzelheiten, vornehmlich in der Behandlung 
der Stbfie, zugleich Anklänge an die Manier des Lucas Cra- 
nach. In Gemässheit dieser letzteren, mehr das Aeusser- 
liche der Bilder betreffenden Umstände hat man dieselben be- 
feifS, Obgleich irriger WVeise, dem Cranach selbst zugeschrie- 
ben  
5- 245- Diese und ähnliche Bestrebungen wurden jedoch 
durch die ausgebreitete Thätigkeit Lucas Cranaßh des 
"')Fiori1lo, a. a. Ü. 11., 193. 
ü?) J. Heller, Leben Lucas Cranachs, 
186.
        

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