Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168736
Dürefs 
vier 
Apostel. 
499 
Beginn jenes Hüteramtes der Schrift, das eigentliche Studium 
derselben. Johannes, der vorn steht, hält das geöffnete Buch 
in seinen Händen; seine hohe Stirn, sein ganzes Gesicht 
trägt das Gepräge tiefer, strengforschender Gedanken; es ist 
dasimelancholische Gemüth, welches in die Tiefen der For- 
schung hinabsteigt. Petrus, hinter ihm, biickt sich über das 
Buch und schaut ernst auf dessen Inhalt, ein greiser Kopf, 
voll beschaulicher Ruhe,  das phlegmatische Gemüth, wel- 
ches den Gedanken in stiller Ueberlegung zu verarbeiten hat. 
Auf dem zweiten Bilde stellt sich uns die Richtung nach 
aussen, das Verllältniss der gewonnenen Ueberzeugung zum 
Leben, dar Marcus, im Hintergrunde, ist der Sanguiniker; 
offen blickt er umher, er scheint lebhaft und eindringlich zu 
sprechen und den Zuhörer zu gleichem Gewinn, wie ihm aus 
den Worten der Schrift zu Theil geworden, aufzufordern. 
Paulus dagegen, im Vorgrunde desßildes, hält Buch und 
Schwert in den Händen; er blickt zürnend und streng über 
die Schulter hinaus; er ist bereit, das Wort zu vertheidigen 
und die Schänder desselben mit dem Schwerte der Kraft 
Gottes zu vernichten. Er ist der Repräsentant des choleri- 
scheu Temperamentes.  Und nun, welche meisterhafte 
Vollendung der Ausführung, wie sie nur einem Gegenstande 
von so erllabenem Inhalte angemessen sein konnte! WVelche 
Würde und Hoheit in diesen, so verschiedenartig charakteri- 
stischen Köpfen! Welche Einfalt und Majestät in diesen 
Linien der Gewandung; Welche erhabene, statuarische Ruhe 
in diesen Bewegungen! Hier ist nichts Störendes mehr, kein 
kleinlieher eckiger Bruch der Falten, kein willkürlich Pllan, 
tastischer Zug in den Gesichtern oder auch nur im Fall der 
Haare. Ebenso ist auch die Farbe höchst vollendet und 
von kräftigster Naturwahrheit und Wärme. Von jenem 
bunten Lasiren, jenem scharfen Bezeichnen der Formen ist 
fast keine SPD? mehr, sondern überall ein freier, gediegener, 
pastoser Auftrag. Wahrlich, der Meister durfte nach der 
Vollendung dieses Werkes sein Auge schliessen, denn er 
hatte das Ziel der Kunst erreicht; hier steht er den grössten 
32g"
        

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