Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168726
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Buch IV. Norden. 
XVI. Jahrhundert. 
Dürer. 
es mit Gewissheit erwiesen istaf), von Dürer selbst dem Rathe 
seiner Vaterstadt als ein Gedächtniss seiner künstlerischen 
Wirksamkeit, zugleich aber auch als eine ernste, fortdauernde 
Mahnung in jener sturmbewegten Zeit, verehrt; im XVII. 
Jahrhundert wurde es jedoch dem Kurfürsten Maximilian I. 
von Baiern überlassen, die von Dürer selbst herrührenden 
Unterschriften der Bilder, welche bei einem katholischen 
Fürsten Anstoss erregen durften, abgetrennt und den (übrigens 
nicht verwerflichen) Kopien, welche für den Verlust der 
Originale entschädigen sollten, angefügt. So befinden sich 
15. letztere gegenwärtig noch in der Sammlung des Landauer 
Brüderhauses zu Nürnberg.  Diese Gemälde sind aus den 
tiefsten Gedanken, welche dazumal den Geist des Meisters 
bewegten, hervorgegangen und mit der überzeugendsten 
Kraft und Vollendung der Darstellung ausgeführt; sie bilden 
das erste vollendete Kunstwerk, welches der Protestantismus 
hervorgebracht hat. Wie die Unterschriften, aus den Briefen 
und Evangelien jener Apostel entnommen, eindringliche 
Warnungen enthalten, nicht von dem Worte Gottes zu 
weichen und den Lehren der falschen Propheten nicht zu 
glauben, so stehen auch die Gestalten selbst als die festen 
und getreuen Hüter der heiligen Schrift, die sie in den 
Händen tragen, da. Zugleich ist es eine alte Tradition, die 
bis zu Dürer's Lebzeiten hinanreiclxtakf), dass in diesen Ge- 
stalten die vier Temperamente dargestellt seien. Auch dieser 
Umstand, der durch die Gemälde selbst bestätigt wird und 
der, für den ersten Anblick, auf einer willkürlichen Combi- 
nation zu beruhen scheint, dient gerade zu einer tieferen 
Durchführung jenes Gedankens und zu einer ergreifender-an 
Individualisirung der Gestalten; er zeigt es, wie eine jede 
menschliche Gernüthsbeschaffenheit zum Dienste des gött- 
lichen Wortes berufen ist. So sehen wir auf dem ersten 
Bilde die nach innen gerichtete Thätigkeit des Geistes, den 
a) Heller, a. a. O. S. 205. Hotho bezweifelt obiges. 
H) Neudörffer (Nachrichten von den vornehmsten 
Nürnberg's, Nürnb. 1828) in den Notizen über Dürer. 
Künstlern
        

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