Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168700
496 
Buch IV. 
Norden. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Dürer. 
heil. Dreifaltigkeit, im Privatbesitz zu Augsburg, an dem die, 
grosse und edle Behandlung und die trefHiche Ausführung 
gerühmt wirdf). 
8- Unter den Gemälden der Bettendorfschen Sammlung 
zu Aachen führt Heller") eine Darstellung des Abschiedes 
Christi von der Mutter, ein sehr ligurenreiches Gemälde 
mit der etwas undeutlichen Jahrzahl 1525 auf. „Dürer scheint 
(so sagt er) zu diesem herrlichen Gemälde zum Theil eine 
Zeichnung von Rafael benutzt zu haben, Welche später von 
Marc Anton gestochen wurde." Wenn das Bild, das ich 
nicht aus eigner Anschauung kenne, acht ist, so giebt das- 
selbe ebenfalls einen Beweis, dass Dürer in späterer Zeit 
9. eine andere Bahn einzuschlagen strebte.  Die Jahrzahl 
1526 findet sich auf einem Brustbilde der Madonna mit dem 
Kinde in den Uffizien zu Florenz. Das Kind hält ein 
Blümchen, die Madonna, von herb jungfräulichem, fast ver- 
driesslichem Ausdruck, hat eine Birne in der Hand. Das 
Ganze ist sehr vorzüglich modellirt und gemalt. 
In den zwanziger Jahren fertigte Dürer jene merkwür- 
mdigen, in Kupfer gestochenen Portraits berühmter Zeitge- 
i nossen, des Kardinals Albert von Brandenburg, des Kur- 
fürsten Friedrich des Weisen, des Pirckheimer, des Melanch- 
 thon, des Erasmus von Rotterdam u. a., welche sich durch 
geistvollste Auffassung des Lebens eben so sehr wie durch 
bewunderungswürdig feine Ausführung auszeichnen. Es war 
damals bereits die Zeit religiöser Wirren hereingebrochen 
und vornehmlich Nürnberg arg davon heimgesucht, so dass 
von aussen her wohl das Verlangen nach religiösen Kunst- 
werken geringer werden mochte; ebenso jedoch auch mochte 
jetzt dem eignen Gemüthe des Künstlers, welcher der neuen 
Lehre mit tiefster Hingebung zugethan war, das Gebiet des 
Lebens ansprechender zur bildlichen Darstellung erscheinen, 
als mancher der früher bearbeiteten Gegenstände. Jeden- 
falls verdanken wir diesen Umständen eine Reihe der treff- 
140.
        

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