Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168634
239. 
Ritter, Tod und Teufel- 
Kupferstiche etc. 
VOII 
1514. 
489 
Da steigen zwei Dämonen vor ihm auf, die furchtbarsten, 
Welche die menschliche Brust beherbergt, die Verkörperung 
derjenigen Gedanken, die auch der Entschlossenste nicht 
ohne Erbleichen ins Auge zu fassen vermag; die Grauen- . 
gestalt des Todes auf dem hinkenden Rösslein und das sinn- 
verwirrende Scheusal des Teufels. Der Ritter aber, kampf- 
gerüstet gegen jeden, mit dem zu kämpfen ist, ein Gesicht, 
in welches die Zeit ihre Furchen eingegraben und welches 
durch Sorge und Entsagung den Ausdruck innerlicher, uner- 
schütterlicher Festigkeit gewonnen hat, blickt streng vor sich 
auf den Pfad, den er gehen will, und lässt die Gestalten 
Wahnsinniger Träume wieder in ihr ohnmächtiges Reich ver- 
sinken. Es ist nicht unwahrscheinlich ,das S neben der J ahrzahl 
des Bildes scheint namentlich dafür zu sprechen), dass Dürer 
in dem Ritter ein Portrait Franz von Sickingeds dargestellt 
hat; aber dieser Umstand nimmt der allgemeinen Bedeutung 
der Qomposition nichts. Nur ist es in diesem Bezuge jeden- 
falls ein Ehrenbild für diesen mannhaften Ritter und nicht, 
wie man angiebt, eine Allegorie auf die ihm vorgeworfene 
hartnäckige Bosheit. Von andern wird er insgemein als der 
"christliche" Ritter bezeichnet; aber auch diese Angabe passt 
nicht, da nichts vorhanden ist, was einen speciellen Bezug 
auf christliche Religionsübung andeutete. Die höchst meister- 
hafte Ausführung des Blattes ist übrigens bekannt. 
Im Jahre 1514 verfertigte Dürer ebenfalls mehrere vor- 13. 
zügliche Kupferstiche. Zunächst möge unter diesen die 
Melancholie genannt werden, eine Darstellung rein allego- 
rischen Inhalts, somit an sich nüchterner als die vorige, 
gleichwohl auch diese mit einer Phantasie erfasst, welche 
dem unerspriesslichen Gegenstands wiederum einen eigen- 
thümlichen Reiz giebt. Das masslose Grübeln und Brüten 
über unverstandenen Gedanken kann nicht charakteristischer 
ausgedrückt werden, als in dieser mächtigen weiblichen Fi- 
gur, welche im Vorgrunde sitzt; und das mannigfache 
Geräth, welches sie um sich her gebreitet hat, dient nur da- 
zu, diesen Eindruck eines seltsam verworrenen Strebens zu 
erhöhen. 
        

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