Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168551
238. 
Bilder 
VOIJ 
1509 
Mariä Himmelfahrt. 
481 
nüchtern und zeigt nur in einzelnen Köpfen jenen phanta- 
stischen Zugi").  
Als Beispiele von DürerÄs künstlerischer Wirksamkeit im 
Jahre 1510 mögen zunächst ein Paar treffljehe Holzschnitte 
genannt werden: jenes schöne Blatt, Welches einen Büssenden 
darstellt, der vor einem Alt.are kniend, sich mit der Geissel 
auf den entblössten Rücken schlägt; sodann das Blatt, wo der 
Tod einen gerüsteten Kriegsmann erfasst. 
Im Jahre 1511 gab Dürer drei grosse Reihenfolgen in 
Holz geschnittener Blätter heraus, Welche zum Theil, wie die 
Jahresbezeiehnung einzelner unter ihnen erweist, in den beiden 
vorangegangenen Jahren entstanden sind: die grosse und die 
kleine Passion Christi und das Leben der Mariat "Diese 
Werke gehören zu _dem Vorzüglichsten, was von Dürefs 
künstlerischen Arbeiten auf unsre Zeit gekommen ist; in ihnen 
treten fast mehr denn irgendwo die Andeutungen eines leben- 
digen Gefühles für Schönheit, Adel und einfache Würde her- 
vor, und die Elemente phantastischer und gemein bürgerlicher 
Auffassung nehmen eine mehr untergeordnete Stelle ein. Be- 
trachten wir nur einzelne Blätter dieser reichen Folgen mit 
flüehtigem Blicke. 
 Grosse Passion. Das Titelbild stellt den leidenden 
Christus dar, der nackt, mit der Dornenkrone, auf einem 
ü) Mir ist nichts Authentisches über die Geschichte dieses Bildes 
bekannt. Hirt sagt- in seinen Kunstbemerkungen ete., S. 24, es sei 
dasselbe Gemälde, welches Dürer für Friedrich den Weisen gefertigt 
habe. Nach andren Berichten (vgl. Heller, a. a. 0., S 153) kam letz- 
teres von dem Orte seiner Bestimmung in Wittenberg nach Prag, in 
die Galerie des Kaisers Rudolph Il., und naehmals nach Wien, wo es 
sich jedoch gegenwärtig nicht mehr befinden soll. Zugleich soll das- 
selbe die Jahrzahl 1504 geführt haben. (Waagen nimmt dies für aus- 
gemacht an.) Die Zahl auf dem in Florenz befindlichen Bilde konnte 
indess, wenn es wirklich dasselbe ist, leicht irrthümlicher Weise so 
gelesen werden, da die Form der 9 sieh hier einer 4 in Etwas an- 
nähert und selbst als 3 und 5 genommen werden könnte; es ist bei- 
nah dieselbe, wie die 9 in der Jahresbezeiehnung der Kreuztragung, 
unter den Blättern der kleinen, in Holz geschnittenen Passion gesehrie-- 
ben ist. 
Kngler Malerei II. 3]
        

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