Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168249
450 
Buch IV. 
Norden. 
Jahrhundert. 
Deutschland. 
 Pilatus und die Geisselung darstellen. Man wird in diesen 
zum Theil allerdings manierirten und verzerrten Gestalten 
weniger einen bedeutenden geistigen Inhalt als vielmehr die 
grosse Freiheit und Lebendigkeit der ganzen Darstellung 
anzuerkennen haben, welche zu ganz neuen Kunstmitteln 
durchzudringen im Begriffe ist. Das Zufällige, die Freude 
am Detail tritt hier zurück; die Behandlung ist wohl flüch- 
tig, aber von einer freien Breite, die Körperauffassung wohl 
übertrieben, aber organisch lebendig, der LichteHekt wohl 
grell, aber als künstlerisches Motiv mit Bewusstsein benützt. 
Allerdings fallen diese Bilder möglicher Weise erst in die 
letzte Lebenszeit des Meisters, als andere Künstler schon 
eine eben so freie Darstellungsweise errungen hatten.  
Von Siegmund Holbein, welcher noch 1540 in Bern 
13, lebte, ist ein bezeichnetes kleines Bild auf Goldgrund in der 
Sammlung des Landauer Brüderhauses zu Nürnberg, Ma- 
donna auf dem Throne, über ihr Engel, welche eine Krone 
und einen Traghimmel halten, die Köpfe fein und edel, die 
Gewandung fliessend, die Färbung von grosser Kraft, Wärme 
14_ und Klarheit. Auch eine schöne, miniaturartig ausgeführte 
Madonna vom J. 1499  in der Moritzkapelle zu Nürnberg, 
bisher seinem Bruder zugeschrieben, möchte sein Werk sein; 
die heil. Jungfrau mit dem Kinde und zwei blumenreichen- 
den Engeln sitzt in einer gothischen Kapelle. Im Belvedere 
m zu Wien zwei nicht sehr bedeutende Portraits. In der öffent- 
16_ liehen Sammlung zu Basel befindet sich eine Reihe von Ge- 
mälden aus dem Leben der Maria, welche in der Formen- 
gebung und in der fester geschlossenen Composition etwas 
an die Colmarer Schule erinnern, den sprechend naturalisti- 
sehen Köpfen zufolge jedoch auf Augsburg hinweisen und 
aus einem äussern Grunde wohl von Siegmund Holbein Sein 
könnten. In der kräftigen und tiefen Färbung herrscht das 
Rothbraun vor. Ein leidender Christus derselben Sammlung 
ist eine nicht sehr bedeutende Nachahmung nach Dürer, sicher 
nicht von Siegmunds Hand.  Den jüngern Hans Hol- 
bein, in welchem die Richtung der Augsburger Schule ihre
        

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