Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168226
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Buch IV. Norden. 
XV. Jahrhundert. 
Deutschland. 
ständigerer Art als der seiner meisten oberdeutschen Zeit- 
genossen; es ist eine angeborene Freude an der Vielseitigkeit 
des Lebens und der Charaktere, so dass z. B. die Portrait- 
figuren, trotz der zu kurzen Verhältnisse, insgemein höchst 
wahr und lebendig sind. Nach höherer Schönheit und idealer 
Würde strebt der Meister dagegen weniger; der Reiz seiner 
weiblichen Köpfe liegt mehr in einer genrchaften Anmuth, 
Wozu noch die zarte Vollendung der äussern Darstellung, die 
Weichheit des Farbenauftrages hinzukömmt. Zugleich aber 
ist eben jenes phantastische Element, dessen wir bei einigen 
Darstellungen Schongauefs gedachten, auch bei ihm und 
zwar in erhöhtem Maasse ersichtlich, eine Neigung zu ge- 
waltsamer und übertriebener Charakteristik, die vornehmlich 
in denGestalten der Widersacher (in seinen mannigfachen 
Darstellungen von Passionsgeschichten der Heiligen) auf 
eigenthümliche Weise heraustritt. Er stellt das Böse nicht, 
wie es auch wohl in deutschen Bildern der Zeit gefunden 
'wird, in eigentlich hässlicher und ekelhaft gemeiner Gestalt 
dar, sondern nur wie von einer unwillkürlichen dämonischen 
.Leidenschaft gestachelt und durch dieselbe zu seltsam dis- 
harmonischen Formen ausgeprägt. Man erblickt in seinen 
Bildern mehrfach Gestalten, welche den Productionen unse- 
rer romantischen Poesie als Vorbild gedient zu haben 
scheinen; besonders häufig kehrt bei ihm unter den Wider- 
sachern ein blasser Mann mit scharfgeknidener italienischer 
Physiognomie, in grünem Jagdkleide und eine Hahnenfeder 
auf dem Hute, wieder.  Zunächst sind einige Bilder der 
schon erwähnten Reihe in der Augsburger Galerie zu erwäh- 
nen. Das eine, vom Jahre 1495, stellt in drei Abtheilungen 
die Trinität, mehrere Heilige und sechs Scenen aus der Pas- 
sion dar. Das zweite, vom Jahre 1502, enthält die Verklä; 
rung, die Speisung der 5000, die Heilung eines Bggeggenen 
und die sehr zahlreiche Genossenschaft des Stifters und seiner 
Töchter. Der Hintergrund ist schon landschaftlich, das Blau 
des Himmels aber noch sehr schwer. Besonders gelungen ist 
der Besessene, mehr verzerrt dagegen der Ausdruck des 
Staunens und Schreckens in den Jüngern; die Bildnisse sind
        

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