Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1168162
442 
Buch IV. 
Norden. 
Jahrhundert. 
Deutschland. 
in beschränkter Form, 
Seele. 
einer edeln, männlichen 
dem Gleichmass 
Unter den Bildern, welche Colmar noch von seiner Hand 
3. besitzt, ist die „Maria im Rosenhag" das wichtigste (jetzt im 
rechten Querarm des dortigen Münsters). Die Madonna, 
reichlich lebensgross, nicht von idealer Schönheit, aber voll 
reiner Demnth, sitzt in einer blühenden Rosenumhegung auf 
Goldgrund, worin bunte Vögel nisten; sie hält das liebliche 
Christuskind in den Armen, während zwei anmuthvolle Engel 
in blauen Gewändern schwebend eine Krone über ihrem 
Haupte halten. Das Nackte ist mit Ausnahme der Köpfe 
mager, namentlich die Hände, welche Schongauer zwar rich- 
tig zu zeichnen, aber knöchern zu modelliren pflegte; übri- 
gens giebt die Einfachheit der Behandlung, verbunden mit 
dem feinen Gefühl das Bild eines innerlich consequenten Sty- 
les, wie er sich in der deutschen Malerei dieser Zeit kaum 
4. wieder findet.  Andere Gemälde ünden sich in der öffent- 
lichen Sammlung zu Colmar. Das Bedeutendste sind zwei 
Altarflügel, innen die Maria, das Christuskind anbetend, oben 
Gottvater  und S. Antonius der Eremit, nebst der kleinen 
Figur des Donators; aussen in lebensgrossen, stehenden 
Figuren der englische Gruss. „In dem Charakter und Aus- 
druck der Köpfe findet sich hier nun ganz das Edle, Idea- 
lische, in einigen auch dieselbe Gefühlsweise eines dem 
Perugino verwandten, tiefen Sehnens Wieder, welche in den 
Kupferstichen des Meisters so sehr anzieht, und worin er so- 
gar den grossen Schülern der Brüder van Eyck überlegen 
ist. Die Maria ist beide Mal, zumal auf der Verkündigung, 
von höchst edler Bildung, mit schön gewölbten Augenliedern, 
der Antonius von sehr würdigem CharakterÜß Auch die 
Färbung ist hier namentlich im Fleisch von grosser Kraft 
und Gluth. Ein todter Christus auf dem Schosse der Maria, 
von ausserordentlich edlem AüSdruCk tiefen Seelenschmerzes, 
kann doch der sehr unrichtigen Zeichnung und des abwei-- 
chenden, mehr mitvder Lyversbergschen Passion verwandten 
Waagen, Kunstw. 
Künstl. 
Deutschland, 
308.
        

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