Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167881
414 
Buch IV. 
Norden. 
XV. Jahrhundert. 
Frankreich. 
225. 
rein, sondern mit einem italienischen gemischt hervor- 
tritt. Hier ist die Composition schöner und gemessener, die 
Formen reiner und mehr gewählt, die Perspective und das 
Helldunkel höchst ausgebildet, die Räumlichkeit und ihre 
Verzierung  bald gothisch, bald italienisch  von reich- 
ster Eleganz. Das Haupt dieser Schule war der schon er- 
wähnte Jean Fouquet von Tours, Hofmaler Ludwigs XI. 
7. Eine französische Üebersetzung des Josephus (kaiserl. Biblio- 
thek in Paris) enthält, ausser drei ältern, von einem der Ma- 
ler des Herzogs Johann von Berry gefertigten Bildern, eilf 
andere von Fouquets Hand, die Geschichte der Juden bis 
zur Zerstörung Jerusalems enthaltend, und von diesem gilt 
das eben Gesagte im vollsten Sinne. Die Composition ist 
in edelm Horentinischem Sinne geordnet; die Motive sind 
grossentheils anmuthig gedacht und frei gehandhabt, nament- 
lich in minder bewegten Scenen, die Köpfe zeigen einen 
edeln. obschon nicht mannichfaltigen Typus und einen feinen 
Ausdruck; Thiere, besonders Pferde, sind trefflich bewegt. 
Das beste Bild stellt Cyrus dar, welcher die Juden in [ihre 
8- Heimath entlässt.  Vierzig höchst vortreffliche Miniaturen 
aus einem Gebetbuch, im Besitz 'des Herrn Brentano zu 
Frankfurt a. M. scheinen ebenfalls FouqueUs Werk zu sein. 
9.  Von einem Schüler desselben mögen die grossen, zum 
Theil unvollendeten Miniaturen in einer französischen Üeber- 
Setzung des Livius (kaiserl. Bibliothek in Paris) herrühren, 
welche als geschickte Fabrikarbeit den Namen des Meisters 
nicht verdienen; vieler andern Handschriften zu geschweigen. 
In der Mitte zwischen diesen beiden Schulen steht eine 
10, Anzahl von Miniatoren, von welchen z. B. ein Gebetbuch in 
der Bibliothek des Arsenals zu Paris, ein sog. Diurnal der 
llkaiserl. Bibliothek, u. a. m. herrühren. Die grosse Feinheit 
und Farbenpracht, sowie die Verzierungen weisen hier wiederum 
mehr auf niederländische Ueberlieferung   
ü) Da. wir über die französischen Glasmalereien dieser Zeit (S. 
Severin und S. Gervais in Paris, St. Ouen in Rouen, ein Theil der Fenster 
im Dom von Bourges, die Sainte Chapelle zu Riom in der Auvergne.
        

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