Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167878
Miniaturen. 
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aber auch portraitmässig trefflich und von einer gewissen fei- 
nen Weltlichkeit; Nebenflguren und Vorgänge aus dem ge- 
wöhnlichen Leben übertreffen an Wahrheit und Laune ins- 
gemein die heiligen Personen; die Verhältnisse sind lang, 
die Bewegungen bisweilen sehr geschickt und graziös, die  
Farben von kräftigster Frische, die Ausführung fein und 
prachtvoll, mit sehr vieler Goldauihöhung. Bemerkenswerth 
ist die gewandte Darstellung der verschiedenen Lichtwirkun- 
gen, u. a. vermittelst eines sehr ausgebildeten Helldunkels.  
Codices dieser Art sind in grosser Menge vorhanden, die 
meisten aber von fabrikmässiger und geistloser Arbeit; wir 
erwähnen desshalb nur diejenigen von selbständigem Kunst- 
werth.  Eine französische Üebersetzung von Qvids Heroiden 4. 
vom Jahre 1461 (kaiserl. Bibl. in Paris) enthält die Hel- 
dinnen des Alterthums, angethan mit Modekleidung vom Hofe 
Uarls VII, steif, aber von bedeutsamen Motiven.  Das 5. 
Gebetbuch der Anna von Bretagne, in der kaiserlichen 
Bibliothek zu Paris, das Hauptdenkmal dieser Gattung, aus 
den letzten Jahren des XV. Jahrhunderts, umfasst in 46 
grossen Miniaturen biblische und legendarische Scenen, in 
24 kleinern die Zeichen und die Bechäftigungen der zwölf 
Monate. Die Arbeit ist. sehr ungleich, Manches neu, ori- 
ginell und von höchstem Werthe, Anderes einförmig und 
lahm, Insgemein ist die Ausführung von grosser Pracht, 
die landschaftlichen und architektonischen Hintergründe von 
bedeutender Lichtwirkung.  Ein lateinisches Gebetbuch 6. 
derselben Bibliothek, vorgeblich für König Reue, wahrschein- 
licher erst um 1500 verfertigt, ist vielleicht ein Werk dessel- 
ben Meisters wie das eben erwähnte, und stimmt nicht nur 
im Inhalt der Miniaturen, sondern auch in Typen, Compu- 
sition und Behandlupgsweise damit überein; nur sind die 
Köpfeaedler ausgebildet und dabei mehr national französisch, 
die Anordnung schöner, die Hintergründe weicher und duf- 
tiger, die Renaissance in Verzierungen und Architekturen 
ausgesprochener. '  
Neben dieser vorherrschend niederländischen Nliniatoren- 
schule" gab es eine andere, in welcher dieser Einfluss nicht
        

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