Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167735
H ans 
Mernling. 
399 
rothes Schwert schwebt an der linken, ein Lilienzweig an der 
rechten Seite seines Hauptes; eine in der Luft schwebende 
(gemalte) goldne Kugel, welche die nächsten Gegenstände 
widerspiegelt, ist der Schemel seiner Füsse; ein rother Mantel, 
über der Brust zusammengeheftet und den Schooss in schö- 
nen Falten bedeckend, ist seine Bekleidung. Üeber ihm 
schweben vier Engel mit den Nlarterinstrumenten, unter ihm 
drei Engel mit den Posaunen des Gerichts. Zu seiner Rech- 
ten kniet Maria mit dem Ausdrucke mütterlich fürbittender 
Milde, zur LinkenJohannes der Täufer, an beide reihen sich 
die Apostel an, würdevolle Gestalten, in deren Köpfen eine 
höchst vollendete, aber mannichfach abgestufte Schönheit 
sichtbar wird. Auf der unteren Hälfte des Bildes in der 
Mitte, kolossal gegen alle Üebrigen, steht St. Michael, ernst 
vorwärts gebeugt, schlank, im goldglänzenden Panzer, welcher 
aufs Genauste das Bild der umgebenden Gegenstände abspie- 
gelt, mit prachtvollem Purpurmantel, der von den Schultern 
auf die Erde niederfiiesst, und mit grossen Flügeln, die aus 
schimmernden Pfauenfedern zusammengesetzt sind. Er hält. 
in seiner linken Hand die Wage des Gerichts, in deren 
Schaalen die Seelen der Menschen gewogen werden; die mit 
dem Guten ruht. auf dem Boden, die mit dem zu leicht Be- 
fundenen schnellt in die Höhe. Gegen diese Schaale richtet 
er das Ende des schwarzen, mit kostbarem Griffe versehenen 
Stabes, den er in der rechten Hand hält; ein Teufel ist 
gegenwärtig, die Seele des Verdammten in Empfang zu neh- 
men. Umher ist das Feld, aus dem, bis tief in den land- 
schaftlichen Hintergrund hinein, die Todten aus ihren Grä- 
bern auferstehen; auf der einen Seite die Seligen, im Begriff", 
in den Himmel einzugehen, auf der andern die Verdammten. 
Dicht hinter dem Erzengel streiten ein Engel und ein Teufel 
sich um den Besitz einer Seele. Die unaussprechlichste 
Angst, Schmerz, an Wahnsinn grenzende Verzweifiung spricht 
zur Linken Michaels aus den unseligen, auf das Mannich- 
faltigste gruppirten, zum Theil dicht zusammengedrängten 
Gestalten jedes Alters und Geschlechts. Fabelhafte Teufels- 
fratzen, zum Theil mit lustig schillernden Schmetterlings-
        

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